Untergang der "fliegenden Bank" wird Filmstoff

6. Oktober 2004, 20:23
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Swissair-Pleite soll genau vier Jahre nach Grounding ins Kino kom­men - "Es gibt Kreise, denen wäre es lieber, wenn Film nicht entstünde"

Kloten - Der Untergang der Swissair bewegt erneut die Massen. Nach zahllosen Presseartikeln, Radiosendungen und Büchern will jetzt ein Film die letzten Tage des fliegenden Nationalstolzes aufarbeiten. Genau vier Jahre nach dem Grounding ist der Kinostart geplant.

Sachbuch "Der Fall der Swissair" als Vorlage

"Warum stand der Flugbetrieb am 2. Oktober 2001 still?", fragte Filmproduzent Peter-Christian Fueter am Freitag vor den Medien in Kloten. Der Film "Grounding - Die letzten Tage der Swissair" werde zeigen, was damals wirklich geschah. Grundlage des Films sei das Sachbuch "Der Fall der Swissair" von "Bilanz"-Chefredaktor Rene Lüchinger.

Zudem stütze man sich auf neue Dokumente, Berichte und Gespräche mit Betroffenen, sagte Fueter, der viele neue Erkenntnisse versprach. "Trotz aller gesellschaftspolitischen Relevanz des Themas, wollen wir in erster Linie eine spannende Geschichte erzählen", sagte Fueter.

Soll Geschichte in der Tradition von Filmen wie "JFK" oder "Traffic" erzählen

Hauptstrang der Handlung des Spielfilms ist das Grounding als der Höhepunkt der Swissair-Tragödie. Rückblenden aus Archivmaterial und schauspielerisch nachgestellte Szenen sollen die komplexe Geschichte dem Zuschauer nachvollziebar machen. Der Inhalt solle in der Tradition von Filmen wie "JFK" oder "Traffic" erzählt werden.

Für die Rollen wurden namhafte Schweizer Schauspieler angeheuert: Ex-Swissair-Chef Mario Corti wird von Hanspeter Müller ("Lüthi und Blanc", "Sternenberg") verkörpert, Crossair-Gründer Moritz Suter durch Jürg Löw ("Ernstfall in Havanna"). Gilles Tschudi ("Mein Name ist Bach") spielt UBS-Chef Marcel Ospel, Rainer Guldener ("Aktenzeichen XY") tritt als Ex-CSG-Chef Lukas Mühlemann auf.

2. Oktober 2005 ist geplanter Kinostart

Gedreht werde der Streifen von Mitte Jänner bis Ende März zum größten Teil an den Originalschauplätzen. Hauptdrehort ist der einstige Swissair-Konzernsitz am Balsberg. Der Kinostart ist für den 2. Oktober 2005 vorgesehen, genau vier Jahre nach dem Grounding.

Damokles-Schwert über dem Projekt

Über dem Projekt schwebt allerdings noch das Damokles-Schwert: Denn "es gibt Kreise, denen wäre es lieber, wenn der Film nicht entstünde", sagte Fueter, ohne Namen zu nennen. Um deren Anwälte keine Munition zu liefern, werde nur eine kleine Anzahl an Drehbüchern verteilt.

Zudem ist es dem Produktionsteam und den Schauspielern verboten, mit Dritten über den Inhalt und die Entstehung des Films zu sprechen. Andernfalls müssten sie eine Konventionalstrafe von 50.000 Franken (32.268 Euro) bezahlen, sagte Fueter.

Der Film koste knapp 4 Mio. Franken, die mittlerweile beisammen seien. Die jetzigen Swiss-Großaktionäre, der Bund (1 Mio. Fr.) und der Kanton Zürich (0,5 Mio. Franken), seien die größten Geldgeber. Ebenfalls eine halbe Million steuere das Schweizer Fernsehen bei. Banken befänden sich dagegen keine unter den Sponsoren, sagte Fueter.

Größte Schweizer Firmenpleite "emotional noch keineswegs verarbeitet"

Der Schock des Untergangs der "fliegenden Bank" sei in der Schweiz emotional noch keineswegs verarbeitet, sagte Fueter. Die grösste Firmenpleite der Schweizer Geschichte erschütterte nicht nur die hiesige Wirtschaft und Politik, sondern auch tausende von Angestellten, Passagieren und Aktionären.

"Die Swissair war Teil der nationalen Identität", sagte Regisseur Michael Steiner. Sie habe ein Bergvolk in die Welt gebracht und dort jahrzehntelang das Bild der heilen Schweiz vermittelt. Obwohl das Bild schon vorher Risse gehabt habe, sei es erst mit dem Grounding wirklich zerbrochen.

Angesichts der Milliarden an Steuergelder, welche in die Nachfolgegesellschaft Swiss gesteckt wurden, sei eine filmische Aufarbeitung des Themas allerdings auch aus staatsbürgerlichen Gründen angebracht, sagte Fueter. (APA/sda)

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