"Wollten es allen zeigen"

1. Oktober 2004, 16:46
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Bei der Austria herrscht nach Sieg in Warschau Zufriedenheit - Rapids Hickersberger: "Waren nicht gut genug" - GAK hadert mit Referee

Wien - Mit dem souveränen Aufstieg in die UEFA-Cup-Gruppenphase fiel der Wiener Austria ein großer Stein vom Herzen. Der erste Europacup-Auswärtssieg seit 1995 öffnete dem Vizemeister das Tor zu zumindest vier weiteren UEFA-Cup-Spielen und garantiert zusätzliche Einnahmen zwischen 750.000 und 2,5 Millionen Euro. Der abgeklärte und starke Auftritt der Wiener beim 3:1 in Warschau wischte gleichzeitig auch sämtliche Gerüchte rund um das Trainer-Team von Teammanager Günter Kronsteiner vom Tisch. "Die Mannschaft spielte auch für uns", meinte Kronsteiner nach dem Schlusspfiff im Warschauer Hexenkessel erleichtert.

"Ich habe zu ihnen gesagt: 'Wenn ihr euch wohl fühlt, dann zeigt das auch'. Und das haben sie gemacht. Wir haben nicht glücklich, sondern völlig verdient gewonnen", war der 51-Jährige nach dem Aufstieg gegen Legia mit dem Gesamtscore von 4:1 hoch zufrieden. Nun wartet alles gespannt auf den Dienstag, an dem in Nyon die Auslosung der am 21. Oktober beginnenden, lukrativen Gruppenphase stattfindet.

Wiedergewonnenes Prestige

Abgesehen von den finanziellen Folgen freute sich Austrias Führungsetage vor allem über das wiedergewonnene Prestige. "Frank Stronach hat viel Herzblut und Geld investiert und kann jetzt schöne Erfolg ernten. Wir haben uns auf der internationalen Bühne festgesetzt", meinte Vize-Präsident Andreas Rudas, der vom größten Erfolg in der Stronach-Ära nach dem Meistertitel 2003 sprach. Rudas hebt vor allem die sportliche Bedeutung hervor: "Die Mannschaft hat nun die Möglichkeit zusammenzuwachsen, das ist das Wichtigste."

Wenn es für die Austria noch zusätzlicher Motivation bedurfte, dann kam diese durch die Gerüchte rund um den angeblichen "Skandalbericht" von Berater Otto Baric an Big-Boss Frank Stronach. Das sah auch Kapitän Ernst Dospel so, der vom besten Europacup-Auswärtsspiel seiner langjährigen Austria-Ära sprach.

Dospel: "Wollten es allen zeigen"

"Nach den unverständlichen Gerüchten wollten wir es allen zeigen. Wir wollten beweisen, dass bei uns hervorragend gearbeitet wird. Die Mannschaft ist richtig zusammengerückt", so Dospel, der nach einem Ellbogencheck mehr als 50 Minuten mit gebrochener Nase weiterspielte.

Dospel und Co. stießen auf dem nächtlichen Heimflug gut gelaunt mit Sekt und Bier an, Matchwinner Stepan Vachousek (ein Tor, ein Assist) fungierte als "Flugbegleiter" und servierte Getränke. "Das war mein bisher bestes Spiel für die Austria. Ich harmoniere mit Spielern wie Vastic oder Sionko hervorragend", freute sich der tschechische Teamkicker.

Rapid schwelgte in Nostalgie

Wunder-Glaube kann im Fußball doch keine Berge versetzen. Mit einer prachtvollen Fan-Choreografie in Erinnerung an das legendäre Spiel vom 2. November 1995 und einer Huldigung der damaligen Helden hatte man im Rapid-Lager versucht, die Geister der Vergangenheit zu beschwören - alles nur Schwelgen in Nostalgie, wie sich herausstellen sollte. Sporting Lissabon, der protugiesische Tabellen-14. ließ sich weder von der Geschichte noch von der Atmosphäre im Hanappi-Stadion beeindrucken, verwaltete mit dem 0:0 am Donnerstag den 2:0-Vorsprung aus dem Hinspiel souverän und zog in die UEFA-Cup-Gruppenphase ein.

Die großen Hoffnungen auf ein Husarenstück wie vor neun Jahren, als der Rekordmeister die Portugiesen nach einem 0:2 noch mit 4:0 nach Verlängerung aus dem Cup der Cupsieger geworfen hatte, waren zwar laut Trainer Josef Hickersberger kein Hemmschuh für seine Schützlinge. "Aber vielleicht haben die Portugiesen dadurch profitiert, weil sie auf der Hut waren", meinte der frühere ÖFB-Teamchef.

Von Sensation weit entfernt

Der Rapid-Coach musste zerknirscht zu Kenntnis nehmen, dass seine Elf von einer Sensation gegen den 18-fachen portugiesischen Meister weit entfernt war. "Wir waren heute einfach nicht gut genug, um die großartige Stimmung zu nützen", meinte "Hicke".

Die aus der Not geborene Taktik mit Tomas Dosek als einziger Spitze und den offensiven Mittelfeldspielern Sebastian Martinez, Steffen Hofmann und Andi Ivanschitz dahinter erwies sich gegen die kompakten Lissabonner als wirkungslos. Im Gegensatz zum Hinspiel blieben die ganz großen Torchancen aus, und bei hohen Bällen in den Strafraum wurde der verletzte Marek Kincl schmerzhaft vermisst. "Mit ihm hätten wir sicher mehr Druck ausüben können", vermutete Hickersberger. Der Abschied aus dem UEFA-Cup lag aber nicht nur an der Abwesenheit des tschechischen Goalgetters. "Wir hatten große Probleme, Chancen herauszuspielen und Sporting in Bedrängnis zu bringen. Außerdem passierten viele Fehler im Spielaufbau", diagnostizierte der Trainer, bei dem die Enttäuschung so wie bei seinen Spielern tief saß. "Wir haben in diese Partie alles investiert, was in der Mannschaft steckt, da tut es umso mehr weh, dass wir ausgeschieden sind."

GAK ohne Nachdruck

Doublegewinner GAK hat die Hürde Litex Lowetsch nach dem 5:0 aus dem Hinspiel programmgemäß genommen, dennoch hatte der Einzug in die neue Gruppenphase des UEFA-Cups kleine Schönheitsfehler. Durch die 0:1-Niederlage in Bulgarien wurden wertvolle Punkte für die UEFA-Fünfjahreswertung verschenkt, außerdem sahen Muratovic und Standfest vom schwachen lettischen Referee Romans Lajuks fragwürdige Gelbe Karten, die im weiteren Bewerbsverlauf noch unliebsame Folgen haben könnten.

"Das war ein Schiedsrichter wie aus der Steinzeit", beschwerte sich Trainer Walter Schachner. "Die beiden Gelben Karten waren eine einzige Frechheit." Doch nicht nur die Leistung des Unparteiischen, auch das Resultat lag "Schoko" ein bisschen im Magen. "Ein Wermutstropfen für den GAK und für Österreich, dass wir nicht zumindest unentschieden gespielt haben", musste der frühere Teamspieler zugeben.(APA)

  • Vachousek sorgte mit dem 1:0 in Warschau für eine Vorentscheidung.

    Vachousek sorgte mit dem 1:0 in Warschau für eine Vorentscheidung.

  • Klubarzt Dr. Zifko (R) verarztet vor dem Abflug nach Wien Ernst Dospel, der beim Spiel einen offenen Nasenbeinbruch erlitten hatte.

    Klubarzt Dr. Zifko (R) verarztet vor dem Abflug nach Wien Ernst Dospel, der beim Spiel einen offenen Nasenbeinbruch erlitten hatte.

  • Sionko wird abgeschleppt.

    Sionko wird abgeschleppt.

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