Der Norden leuchtet

28. Juli 2005, 12:37
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In Graz eröffnete ein Showroom für skandinavisches Design, und eine Modeschöpferin begeistert sich für die Stoffe aus Finnland

Manche Kooperationen entstehen ganz einfach aus der räumlichen Nähe. Da sperrt zum Beispiel ein neues Interieur-Geschäft mit hippen, skandinavischen Stoffen auf, und gleich in der Nähe ist ein Shop mit Mode von ambitionierten Designerinnen angesiedelt. Warum sollte da nicht jemand aus diesen Stoffen eine Kollektion entwerfen?

So ähnlich waren wohl die Gedankengänge von Susanna Ahvonen. Die in Finnland geborene und seit 1988 in Graz lebende Architektin eröffnete Anfang September in der steirischen Landeshauptstadt ihren dem skandinavischem Design gewidmeten Showroom "apres*nord" (Kaiser-Josef-Platz 6), und da liegt der "Pell Mell"-Shop (Mandellstraße 4) sozusagen gleich ums Eck.

Der "Showroom für Mode, Design und Kunst" wird von den Modedesignerinnen Bettina Reichl, Heike Beren, Karin Wintscher-Zinganel und Yü-dong Lin seit dem Juni 2002 betrieben, der Raum ist als kommunikative Schnittstelle und Ausgangspunkt für kunst- und grenzübergreifende Projekte gedacht und inkludiert auch eine Galerie. "Pell Mell"-Frau Karin Wintscher-Zinganel, die Mode unter dem Labelnamen "kay double U" entwirft, wurde nun von Ahvonen zu einer modischen Auseinandersetzung mit der legendären finnischen Textil- und Modemarke Marimekko eingeladen.

Marimekko ist eine der ganz großen Erfolgsgeschichten des finnischen Designs. Das 1951 gegründete Unternehmen errang mit seinen großflächigen Mustern und leuchtenden Farben schnell internationales Renommee. Marimekko war zudem eine der ersten Marken weltweit, die für ihre Kunden schon in den 60er-Jahren eine eigene Markenwelt schuf, indem sie eine komplette Produktpalette - von Tischtüchern bis zu Kleidern - mit ihrer eigenen Handschrift versah. "Totales Design" nannte das die Marimekko-Gründerin, die Textildesignerin Armi Ratia,

Nach wirtschaftlich schwierigen Perioden in den 70er- und 80er-Jahren gelang der Marke zu Beginn der 90er ein Comeback, nicht zuletzt durch die Wiederauflage von klassischen Dessins aus der Anfangszeit der Firma. Im "apres*nord" ist Marimekko mit Heimtextilien und - exklusiv in Österreich - mit Bekleidung und Taschen vertreten. Mit dabei sind auch die legendären "Jokapoika"-Hemden, gestreifte Herrenhemden, die seit 1956 durchgängig produziert werden und in der schwarz-grauen Version als die "Uniform" finnischer Architekten gelten.

Für ihre Entwürfe - eine Frühjahr / Sommerkollektion für Frauen, Männer und Kinder - suchte sich die Designerin Karin Wintscher-Zinganel unter den bunt-expressiven Marimekko-Stoffen einige Lieblingsmotive heraus und entwarf raffiniert-flexible und individuell gestaltbare Teile, die mit den großflächigen Mustern der Textilien spielen. Aus Capes werden Röcke, aus Röcken entstehen Kleider und Ärmel lassen sich abknöpfen. Zu sehen sind die Outfits beim Eröffnungsevent von "apres*nord" am kommenden Freitag in Graz, bei dem auch die aktuelle Homecollection von Marimekko gezeigt wird. Die musikalische Umsetzung der Modeschau besorgen Binder-Krieglstein. (DERSTANDARD/rondo/mw/01/10/04)

Eröffnungsevent von "apres*nord" und "kay double U"
Konzertsaal der Heilandskirche
Kaiser-Josef-Pl.
Graz
8.10./20 Uhr
  • Kunstwerk von Eva und Adele im Österr. Skulpturenpark Graz
    foto: sandra elhanafi

    Kunstwerk von Eva und Adele im Österr. Skulpturenpark Graz

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