Schach-WM: Müder Weltmeister

12. Oktober 2004, 17:53
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Der ungarische Herausforder Leko verteidigte am Wochenende seine Führung gegen Wladimir Kramink

Brissago - Titelverteidiger Wladimir Kramnik (Russland) droht der Verlust der Weltmeisterschaft im klassischen Schach. Im Duell mit Peter Leko (Ungarn) geht der Herausforderer mit einer knappen 5,5:4,5-Führung in die dritte und letzte WM-Woche. Der Großmeister aus Szeged verteidigte am Samstag und Sonntag im schweizerischen Brissago mit zwei Remis-Partien seinen Ein-Punkte- Vorsprung, den er sich mit einem spektakulären Sieg in der achten Runde erkämpft hatte.

Weltmeister unter Druck

In den verbleibenden vier Partien muss sich Kramnik steigern, wenn er den notwendigen Ausgleich erzielen will. Der Weltmeister lag in der zehnten Runde auf Gewinnkurs, ehe ein übereilter Bauernzug seine gute Stellung zunichte machte. Leko willigte nach 35 Zügen in das Remis-Angebot an. Laut WM-Reglement genügt Kramnik am Ende des 14-Partien-Matches ein 7:7-Unentschieden zur Titelverteidigung. Die elfte Partie, in der Leko Weiß hat, wird am Dienstag gespielt.

Achte Partie war der bisherige Höhepunkt

Die achte Partie, der bisherige Höhepunkt des Duells am Lago Maggiore, wirkte noch am Wochenende nach. Kramnik hatte sich mit Weiß auf Lekos scharfen Marshall-Angriff vorbereitet und seine Züge schnell absolviert. Mit dieser Taktik wollte er den Herausforderer psychologisch unter Druck setzen. Selbst vor einem Damenopfer schreckte der Russe nicht zurück. Leko entdeckte aber ein "Loch" in Kramniks Heimanalyse und widerlegte mit einem herrlichen Damenzug die Strategie des Weltmeisters. Nach seinem überraschenden Sieg und der Führung im WM-Match gratulierte sogar Ungarns neuer Premierminister Ferenc Gyurcsany dem 25 Jahre alten Herausforderer per Telefon.

Die spektakuläre Niederlage scheint an Kramnik nicht spurlos vorüber gegangen zu sein, zumal ihn in Brissago auch gesundheitliche Probleme plagen. Wie aus dem Umfeld des Weltmeisters verlautete, hat er eine Grippe verschleppt und Kreislaufprobleme bekommen. Darum offerierte der Champion am Samstag über Mikrofon schon nach 16 Zügen Remis, was Zuschauer und Kommentatoren sichtlich überraschte. (APA/dpa)

  • Da rauchen die Köpfe: Kramnik und Leko (li).

    Da rauchen die Köpfe: Kramnik und Leko (li).

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