Britische Ärzte streiten um Lebensverlängerung für Frühchen

30. September 2004, 18:01
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Eine Wiederbelebung wäre "unerträglich" - Eltern fordern weitere Versorgung

London - Britische Ärzte haben vor einem Gericht in London um Erlaubnis gebeten, ein vor elf Monaten geborenes Frühchen sterben lassen zu dürfen. Das Leben der mit einem Geburtsgewicht von nur 450 Gramm und einer Größe von 13 Zentimetern drei Monate zu früh geborenen Charlotte bestehe nur aus Schmerz und Leid, berichteten die behandelnden Mediziner am Donnerstag vor dem Londoner High Court. Es wäre "unerträglich", das Kind durch riesigen medizinischen Aufwand weiter am Leben zu halten, sagten die Anwälte des St.-Mary's-Krankenhauses im südenglischen Portsmouth.

Das Baby hat Herz- und Lungenprobleme und musste bereits drei Mal wiederbelebt werden, nachdem seine Atmung ausgesetzt hatte. Ein Berater des Krankenhauses erklärte vor Gericht, es wäre "sinnlos und deshalb unerträglich", Charlotte noch ein viertes Mal ins Leben zurückzuholen.

Eltern lehnen ab

Die Krankenhausbetreiber hatten beantragt, das Kind im Falle eines erneuten Atem- oder Herzstillstands nicht noch einmal wiederbeleben zu müssen. Die streng christlichen Eltern des Mädchens, Debbie und Darren Wyatt, lehnen dies ab und fordern, die medizinische Versorgung müsse wie bisher fortgesetzt werden, obwohl das Kind allen Ärzte-Prognosen zufolge keine langfristigen Überlebenschancen hat und das Krankenhaus während seines kurzen Lebens niemals verlassen können wird.

Eine Einigung zwischen den Ärzten und den Eltern sei wegen der völlig entgegengesetzten Standpunkte unmöglich, sagte Klinik-Anwalt David Lock. Dem Gericht komme jetzt die "nicht beneidenswerte Aufgabe" zu, zu entscheiden, was im Interesse des Kindes sei. (APA)

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