30.9.: Gegenwehr der "Interessierten"

8. Februar 2005, 12:37
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Nach den Autoren wenden sich auch Verleger gegen Nennings Austrokoffer

Wien – "Sich auf gar kein Telefongespräch mit Günther Nenning einlassen" rät der Vorsitzende der IG Autoinnen Autoren, Gerhard Ruiss, momentan allen mit Literatur Befassten in Österreich. Der Grund: Ein solches Telefonat genüge, damit Nenning den Namen des Betroffenen als "interessiert", wenn nicht gar "Teilnehmer" an der "Landvermessung", dem umbenannten Austrokoffer veröffentliche. Eine "Zwangsvereinnahmung", so Ruiss. Seit sieben Tagen, in denen er sieben persönliche Briefe an Nenning schrieb, versuche er, die Streichung der gegenwärtigen Nennung der IG Autorinnen Autoren auf der Austrokoffer-Homepage zu erwirken – bisher ohne Erfolg.

Von ähnlichen Erfahrungen wissen nicht nur Autoren zu berichten, auch Verleger klagen ihr Leid.

Acht österreichischen Verlagen – Droschl, Jung und Jung, Haymon, Picus, Bibliothek der Provinz, Otto Müller, Wieser und Residenz – hatte Nenning den Entwurf einer "Vereinbarung" für einen zu gründenden Verlagsverband zugesandt, der nach dem Aussteigen von Ueberreuter das patriotische Literaturprojekt von Bundeskanzleramt und Nenning hätte herausgeben sollen.

Nicht wenige von ihnen übermittelten nun dem STANDARD offene Briefe, in welchen sie Nennings Ansinnen von sich weisen. So entgegnete Jochen Jung (Jung und Jung), Nenning übergehe weiterhin "den Willen und die Rechte der Autoren". Lojze Wieser (Wieser Verlag) hält das "beschämende Angebot, die Rechte der Autoren bzw. die Lizenzen mit einem Betrag von 5,– Euro abzugelten" für "mitverantwortlich für das Dilemma" und fordert die Zahlung eines Seitenhonorars von 15 bis 20 Euro.

Michael Forcher (Haymon) stellt eine grundsätzliche Frage: "Wären eventuell sogar Sie, sehr geehrter Herr Nenning – bereit, der Sache zuliebe die Herausgeberschaft nicht nur zu teilen, sondern diese ganz abzugeben?". Eine Frage, die ihm übrigens von Günther Nenning umgehend verneint wurde, täte sich doch "keiner sonst diese Viechsarbeit an".

Wenig Hoffnung geben dem Projekt auch die restlichen Verleger. Einzig Richard Pils (Bibliothek der Provinz) könnte sich vorstellen, die Anthologie alleine zu verlegen.

Eine Anthologie, der Gerhard Ruiss überdies, selbst bei Zusage aller ursprünglich angefragten Autoren, die Berechtigung abspricht, ihrem Anspruch gerecht zu werden, Österreichs Literatur der vergangenen 60 Jahre zu spiegeln: "Es gibt keinen Herausgeber-Plan. Eine solche Anthologie müsste aber mehr enthalten als beliebig ausgewählte Bücher. Sie müsste die entscheidenden Entwicklungen, historische Wendemarken der Literatur berücksichtigen und kommentieren. Konflikte – nicht zuletzt auch mit der Kronen Zeitung."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.10.2004)

Von
Cornelia Niedermeier
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