Nein, bedauert Endu Büchi, auch wenn Brigitte Bardot eine Ikone der Epoche sei, gäbe es für sie hier keinen Schrein. Denn dann wäre es schwer zu argumentieren, wieso Udo Jürgens (der ja auch gerade 70 wird) oder Vico Torriani im "Espresso" nicht auch geehrt werden.
Sie hätten, erklären der Schweizer und seine zwei Mitstreiter – Julia Zerzer und Michael Novak (Wirt des Szenelokals "Wirr") – eben ein feines Lokal im "klassischen" Stil und keine Pilgerstätte für Freunde alter Filme im Sinn gehabt, als sie in der Burggasse aus einem 50er- Jahre-Espresso ein 50er Jahre-Espresso machten: Mit Witz – etwa einer wandfüllenden Capri-Postertapete – Liebe und G´spür (im Gegensatz zu zu Tode renovierten Cafés wie etwa dem "Museum") wurde das Lokal, das 1956 fast so war, wie es nun wieder ist von alter Farbe, versyphtem Resopal und faden Zwischendecken befreit – und sogar am Klo erfreuen authentische Fliesen und bunte Lampenschirme das Gemüt.
Nur in einem Punkt unterscheidet sich das Espresso von historischen Vorlagen: Die Espressomaschinen (es gibt gleich drei) geben guten Kaffee – und das war früher in Wien (angeblich) selten der Fall.
(DER STANDARD Printausgabe 01.10.2004)
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