Lustvolle Knochenarbeit für Kinder

6. Oktober 2004, 09:45
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Im Wiener Kindermuseum im Museumsquartier werden die Besucher zu Archäologen und legen ganze Skelette frei

Eine lustvolle Knochenarbeit für die Kinder Bei der jüngsten Ausstellung des Wiener Kindermuseums im Museumsquartier werden die Besucher zu kleinen Archäologen: Sie graben, spachteln, pinseln - und legen dabei ganze Skelette frei.

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Wien - Im Grunde liegen Kindheit und Archäologie sehr nahe beieinander. "Die Kinder buddeln ja auch wie die Archäologen in der Erde - und wenn sie etwas finden, geben sie dem eine Bedeutung. Die einen mit Fantasie - die anderen mit realhistorischem Hintergrund", überlegt Elisabeth Menasse-Wiesbauer, Direktorin des Wiener Kindermuseums Zoom.

Trotzdem beginnen die kleinen, naturbegabten Archäologen erst einmal mit einer Verwandlung. Sie verkleiden sich im großen "Grabungszelt", erhalten Werkzeug und hören, dass "die Geschichte unter ihren Füßen in Schichten verborgen liegt".

Ganz besondere Funde

Dann öffnet sich die Zeltwand und es eröffnet sich der Weg zum großen Grabungsfeld der neuen Ausstellung "Knochengräber - Zeitenjäger". Das Schaufeln und Umgraben kennen sie schon aus der Sandkiste. Nur gibt es hier ganz anderes zu finden als Spielzeugautos oder verschollene Rasseln und Schnuller: Ein Blockhaus aus der Hallstatt-Zeit gilt es hier vorsichtig freizulegen, ein Surbecken wird untersucht, ein Urnengrab nachgezeichnet; ja, sogar ein ganzes Pferdeskelett kann freigespachtelt und -gepinselt werden.

An der Wand sind die Schichten der Geschichte besonders gut zu sehen: ein Originalschnitt aus dem Untergrund des Judenplatzes, der wie viele weitere Fundstücke vom Wien Museum zur Verfügung gestellt wurde. Vom Asphalt bis hinunter zu den Tonscherben der Römerzeit. Weiter geht es mit der Fundauswertung. Im Fundzelt werden die gefundenen Stücke mit Zahnbürsten sorgfältig gereinigt und vorsortiert.

Dann geht es weiter in die Labors, wo die einzelnen Materialien untersucht werden. Zuerst die Lebensmittel: Da wird gesiebt und sortiert, Körner, Saubohnen, Hirse, Gerste und Linsen werden auseinander geklaubt. Für daheim gibt es ein original Ritschert-Rezept aus der Bronzezeit - das über Kot, der in Oberösterreich gefunden wurde, überliefert wurde.

Eislauf-Knochen

Knochen werden zugeordnet und es wird studiert, was alles aus denen gefertigt wurde - von Nadeln und Pfeilspitzen bis hin zu den Vorläufern der Schlittschuhe im Mittelalter. Im Metalllabor werden gefundene Münzen durchgepaust und das Ergebnis mit historischen Vorlagen verglichen. Im nächsten Labor werden Scherben zusammengesetzt und mit originalen Gefäßen verglichen.

Die letzte Station wurde vom Künstler Hans Schabus gestaltet: Eine "Zeitreise" durch einen grellweißen Gang, der in fünf Zeitkammern führt. Sie führen mit einfachsten Materialien, Geräuschen und Gerüchen durch die abstrahierte Welt der Vergangenheit zur Gegenwart.

"Knochengräber - Zeitenjäger" im Kindermuseum Zoom im Museumsquartier, bis 20. Februar 2005, Rerservierungen: [TEL]: (01) 524 79 08 (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe 30.9.2004)

  • Ganze Skelette können von den Kindern frei gelegt werden
    foto:zoom/alexandra eizinger

    Ganze Skelette können von den Kindern frei gelegt werden

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