Neckermanns Himmelfahrt lässt auf sich warten

29. September 2004, 23:05
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Alltourismus erst in 20 Jahren ein Geschäft

Wien - 120.000 Euro pro Person und Nacht müsste derzeit ein Weltraumhotel kosten, damit die Herberge im All kostendeckend ist - ganz abgesehen vom Transport. "Der Massenmarkt fehlt. Und der kann nur durch günstigen Transport entstehen", erklärt Mathias Spude vom Luft- und Raumfahrtkonzern EADS in Bremen dem STANDARD. Und davon sei man nicht fünf, sondern 20 bis 30 Jahre entfernt.

Denn die "Pioniere des Weltraumtourismus" böten nicht die Sicherheit einer Sojus-Kapsel, erklärt er: "Wer ein Weltraumflugzeug besteigt, tut es auf eigenes Risiko." Geforscht würde nun an wiederverwertbaren Raumkapseln.

Parabelflüge

Dass Nachfrage besteht, belegen die Umfragen: Derzeit würden eine Million Menschen bis zu 150.000 Euro für eine Reise ins All bezahlen. Geschäfte werden daher schon im Vorfeld gemacht. Beim britischen Reisebüro Wild Wings etwa haben eigenen Angaben zufolge bereits 200 Interessenten 9000 Euro hinterlegt, um sich auf die Warteliste für einen Weltraumflug setzen zu lassen.

In Österreich will kaum jemand der Erste sein. Das Salzburger Reisebüro Geo-Reisen hat bisher nur zwei Anmeldungen - "eine von einem Konzern, der unbedingt seine Kunden als erste ins All bringen will, eine zweite von einem Privaten", erklärt Marketingleiter Wolfgang Reindl. Anzahlungen hätte bisher noch niemand geleistet.

Fix gebucht wird hingegen eine neue Art von Funsport - Parabelflüge, oder: Schwerelosigkeit fast wie im All. Nicht nur die russische Raumfahrtbehörde, die ihre Finanzlöcher stopfen muss, bietet solche mit Mik-Flugzeugen an. Der Alltraum ist auch in Österreich zu haben: Paul Bierl, Unternehmer aus Seibersdorf, startet etwa sechsmal im Jahr zu halbstündigen Gruppenflügen mit etwa 20 Parabeln in 2500 Meter Höhe.

Denkt man an den Siegeszug der Gebrüder Wright, die 1903 weiter als zehn Kilometer flogen und an den Startplatz zurückkehrten, wirft die private Raumfahrt ganz andere Fragen auf. Im ersten Weltkrieg erkannte das Militär den Nutzen von Flugzeugen. Das US-Verteidigungsministerium forscht heute an Flugkörpern, die viel höher und daher viel schneller fliegen. Die Vision, dass die Menschheit in Zukunft in 45 Kilometer Höhe binnen zwei Stunden von Wien nach Tokio gelangen kann, ist also durchaus möglich. (east/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2004)

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