Vorarlberg: Schwarz-Blau fast ohne Blau

30. September 2004, 19:46
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Sausgruber zeigt Machtbewusstsein

Bregenz - Schwarz ist die dominante Herbstfarbe in Vorarlberg. Getragen wird sie vor allem im Vorarlberger Landhaus. Während sich ÖVP-Chef Herbert Sausgruber für die siebenköpfige Regierungsmannschaft mit FPÖ-Vorsitzendem Dieter Egger einen blauen Farbtupfer leistet, schwärzte er das Landtagspräsidium schwarz ein.

Keiner der drei Präsidiumssitze wurde der zweitstärksten Partei SPÖ angeboten. Landeshauptmann Sausgruber begründet das mit dem "Wählerwillen, der uns eine so große Mehrheit ermöglicht hat" und der Wahlarithmetik, die der Volkspartei aufgrund des Ergebnisses drei Sitze zuordne. Für Johannes Rauch, Klubobmann der Grünen, eine "doppelbödige Argumentation": "Dann soll die ÖVP auch Mut zur Alleinregierung zeigen."

Das will Sausgruber partout nicht: "In Deutschland wäre das vielleicht üblich. Bei uns nicht. Wir haben eine etwas andere Tradition." Man pflege "seit dem Krieg eine besondere Form der Zusammenarbeit" und nehme "freiwillig einen Partner herein". Für den Wahlverlierer FPÖ (sie wurde auf knapp 13 Prozent halbiert) habe man sich wegen der "geringeren inhaltlichen Differenzen" entschieden. FPÖ-Mann Egger bestätigt: "Mit uns besteht eine wesentlich größere Deckungsgleichheit als mit den Linksparteien."

Außerdem waren die Freiheitlichen bescheiden: Während SPÖ-Chefin Elke Sader Soziales und/oder Gesundheit für sich beanspruchte, gab sich Egger mit einem "Mickymaus-Ressort" (Rauch) zufrieden. Egger verlor nicht nur die Funktion des Landesstatthalters, sondern den attraktivsten Teil seines Ressorts, den Straßenbau. Egger bleiben Abfall, Wasserbau und Seilbahnen, Wirtschafts-Landesrat Manfred Rein (ÖVP) darf sich über ein Megaressort mit Verkehr, Straßenbau und Raumplanung freuen.

Die ÖVP-Strategie ist offensichtlich: Mit dem Entzug des Straßenbaus wurde Eggers öffentlichkeitswirksame Achse zu Vizekanzler Hubert Gorbach gebrochen. Die konstituierende Sitzung des neuen Landtags findet am 5. Oktober statt. (jub/DER STANDARD, Printausgabe, 30.9.2004)

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