Einstmals Clown, jetzt Chef vom "Dschungel"

5. Oktober 2004, 20:37
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Stephan Rabl, Kopf des Tages

Zaingrub, Krems und Horn: Die Stätten seiner Arbeit waren nicht die Metropolen der Bühnenkunst. Darum ist es Stephan Rabl auch nie gegangen. Der 39-jährige "Dschungel Wien"-Direktor hat seine "Sanftwut" im Umgang mit dem Theaterbetrieb auch von den Rändern her gelernt. Zaingrub, Krems und Horn: Hier hat er in den letzten vierzehn Jahren mit szene bunte wähne ein international renommiertes Kinder- und Jugendtheaterfestival aufgebaut, auf das nicht nur die Wiener neidisch blicken.

Früher noch hat er hier "bunte Abende" organisiert und auf der örtlichen Laienbühne sein Bestes gegeben, bis er von Ludweis auszog, auch die HTL Mödling erfolgreich hinter sich ließ und in Frankreich Clownseminare ansteuerte. In einer diesbezüglichen Gruppe namens Die Schockerlinge hinterließ er dann wieder Spuren in Wien.

Nicht die Diminutivform eines Schockerlings, aber das Bescheidene, Zurückhaltende hat sich Rabl bewahrt. Vor zwei Jahren noch chauffierte er im Bedarfsfall die zum Festival nach Horn gepilgerten Familien im Kleinbus vom Theaterstadl zum nächsten Pfarrhof, wo sämtliche Spieler schon auf ihren Auftritt im voll besetzten Saal warteten. Und weil er kein finsterer Geselle ist, machte er mitunter auch einen Abstecher zum elterlichen Bauernhof, wo Mama Rabl schon mit einem Korb Äpfel die Überraschungsgäste willkommen hieß.

Kein Widerspruch ist, dass ausgerechnet dieser Kindertheaterbeauftragte den Begriff "Kindertheater" ablehnt. Die vielen zum Teil mitorganisierten Symposion, auch im Ausland, die vielen Reisen quer durch Europas Häuser haben den Blick geschärft auf ein allzu oft ungenau gehandhabtes Genre: "Wer 'Kindertheater' sagt, meint meistens 'irgendwas für Kinder' und missachtet dabei die Kunst, um die es gehen sollte."

Rabl, der selbst keine Kinder hat, packte an, auch wenn er der Chef war/ist und macht es auch jetzt, wenn er die schwierige Aufgabe übernimmt, den Ausgleich zwischen hiesiger freier Theaterszene und internationalen Gastspielen zu halten. Nicht nur die Jahre als Festivalleiter – szene bunte wähne hat er im Vorjahr abgegeben, bis 2006 aber dirigiert er noch das internationale Theaterfest Schäxpir in Linz – haben ihn für den Dschungel Wien prädestiniert:

Als Vorsitzender (bis 2005) der Assitej Austria, dem weltweit 77 Nationen umfassenden Verband professioneller Theater für junges Publikum sowie als Initiator des Buches Kinder- und Jugendtheater in Österreich hat er sich ebenso nachhaltig in der Szene einen Namen gemacht. Ob er selbst wieder künstlerisch tätig sein wird, sprich in seinem Haus inszenieren wird, das ist nur eine Frage der Zeit. "Aber zuerst muss das Schiff erst einmal flott gemacht werden!" (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.9.2004)

Von
Margarete Affenzeller
  • Stephan Rabl
    foto: lukas dostal

    Stephan Rabl

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