Hamsterkäufe treiben Heizölpreise

2. Oktober 2004, 12:40
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Weil viele Haushalte in der Hoffnung auf tiefere Preise mit der Ein­lagerung zu­ge­wartet haben, gibt es nun sogar Lieferengpässe

Wien - Heizen wird für viele Haushalte heuer teuer wie schon lange nicht. Besonders schlecht getroffen haben es all jene, die mit Heizöl heizen und in der Hoffnung auf tiefere Preise das Auffüllen der Tanks hinausgeschoben haben. Das kostet jetzt Extrageld.

"Viele beginnen zu hamstern, weil die Tanks fast leer sind und es langsam kalt wird in der Wohnung", sagte Walter Tauscher vom Institut für Wirtschaftliche Ölheizung (IWO) dem STANDARD.

"Weil alle gleichzeitig bestellen, steigen auch die Preise." Tauschers Rat: Nur so viel ordern, um über den ersten Teil des Winters zu kommen. Das lindere den Lieferengpass und schone die Geldbörse. In wenigen Monaten sollte sich die Preissituation beruhigt haben.

Mehr als 900.000 Haushalte heizen mit Öl

In Österreich heizen mehr als 900.000 Haushalte mit Öl, der Verbrauch an Heizöl Extra leicht belief sich im Vorjahr auf 1,9 Mio. Tonnen, das sind 1,65 Mio. Liter. Heuer rechnet die Branche, dass der Markt wegen der hohen Preise um etwa 20 Prozent auf knapp 1,6 Mio. Tonnen einbricht.

Im ersten Halbjahr lag der Heizölabsatz um 44 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres; zurzeit liege man noch rund 30 Prozent darunter, schätzt man in der Branche.

Für 100 Liter Ofenheizöl sind derzeit im Schnitt etwas mehr als 53 Euro hinzublättern. Im August war dieselbe Menge um 50,75 Euro zu haben, ein Jahr davor um 38,13 Euro.

Teurer als heuer war Heizöl im Jahr 2000: Damals wurden Höchstpreise von 56 Euro je 100 Liter gesehen. Dieser Wert könnte heuer übertroffen werden, wenn die Rohölpreise weiter steigen.

Heizkostenzuschuss

Die Österreichische Armutskonferenz hat gemeinsam mit Arbeiterkammer und Pensionistenverband von den Ländern einen Heizkostenzuschuss gefordert.

Die Höchstnotierungen für Rohöl lagen auch am Mittwoch über der 50-Dollar-Marke. Die für Europa maßgebliche Nordseesorte Brent liegt nur noch knapp darunter.

Dämpfer für die Weltwirtschaft

Der ungebrochene Höhenflug der Ölpreise lässt nicht nur beim Internationalen Währungsfonds (IWF) die Alarmglocken schrillen. Die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industrienationen (G-7) wollen diesen Freitag in Washington beraten, wie Risiken für den weltweiten Wirtschaftsaufschwung eingedämmt werden können.

Untersucht werden müsste aus Sicht der G-7 vor allem die Rolle der Hedgefonds, die mit riskanten Termingeschäften den Ölpreisanstieg beschleunigen. Experten führen die Entwicklung zu 30 bis 40 Prozent auf Finanzspekulationen zurück.

Für Rohstoffspekulationen würden 300 Mrd. Dollar von Hedgefonds bereitgestellt, die auf steigende und sinkende Preise wetten. Doch schon im Vorfeld werden die Erwartungen gedämpft.

"Es sind keine großen Durchbrüche zu erwarten", heißt es in deutschen Delegationskreisen: Gut einen Monat vor den Präsidentenwahlen sei die US-Regierung alles andere als beschlussfreudig. (Günther Strobl/DER STANDARD Printausgabe, 30.09.2004)

  • Für viele Konsumenten  könnte der nächste Winter sehr kalt werden.
    foto: cremer

    Für viele Konsumenten könnte der nächste Winter sehr kalt werden.

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