Singen wider die Sprachnormierung

30. September 2004, 15:21
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Das Wienerliedfestival "Wean Hean" wurde eröffnet - "Extrem­schrammel" Roland Neuwirth war unter den Gästen - Mit Video




Roland Neuwirth hat eine angenehme, eigentlich ziemlich unwienerische Eigenschaft: Der "Extremschrammel" taugt nicht zum Schönredner. So stand der Musiker Mittwochabend inmitten der Gratulanten, die in die "Stadtgalerie Vienna" gekommen waren, um Gertraud Schaller-Pressler, Susanne Schedtler, Herbert Zotti und Wolfgang Sturm und ihr "Wiener Volksliedwerk" zu feiern, weil es nun zum fünften Mal das Wienerliedfestival "Wean Hean" (www.weanhean.at) ausrichtet, und schloss sich dem Jubel nicht an.

Sicher, meinte Neuwirth, dass das Publikum das Festival überrenne, sollte eigentlich fröhlich stimmen. Dennoch müsse man sich im Klaren sein, dass das Wienerische "eine aussterbende Sprache" sei. Die "Youngster, früher hat man G´schroppen gesagt" würden "dank dem Privatfernsehen" eine genormte Sprache erlernen. Fazit: "Im Grunde müsste man ganz Österreich unter Artenschutz stellen." Als echter Wiener, der trotz aller Larmoyanz zu feiern weiß, stimmte aber auch Neuwirth schließlich in den freudigen Weanhean-Kanon ein.

Schließlich war neben dem Beginn der Singspiele auch die Präsentation von Susanne Schedtlers Buch "Wienerlied und Weana Tanz" (Löcker Verlag) zu feiern – und es kommt ja nicht alle Tage ein Nachschlage- und Lesewerk heraus, das die Geschichte und den (sehr lebendigen) Ist-Zustand einer Kunst- und Kulturform beschreibt, über deren befürchtetes Verschwinden Neuwirth noch eine Menge feiner Lieder singen wird.

(DER STANDARD Printausgabe 30.09.2004)

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