Verwirrung um Freilassung französischer Geiseln

29. September 2004, 18:52
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Vermittler: Vielleicht diese Woche wieder frei - Französische Regierung kennt selbsternannten Verhandlungsführer nicht

Paris - Nach etwa fünfwöchiger Geiselhaft könnten zwei im Irak verschleppte Franzosen einem selbst ernannten Verhandlungsführer zufolge noch in dieser Woche frei kommen. Voraussetzung dafür sei die Absicherung eines Korridors durch die US-Armee, sagte am Mittwoch ein Sprecher von Philippe Brett, der nach eigenen Angaben die Männer am Montag getroffen hatte. "Jetzt ist alles bereit. Um es bildlich darzustellen: Alle sitzen im Auto, die Koffer sind auf dem Dachgepäckträger und alle warten darauf, dass sie Straße gesichert wird", sagte der Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die beiden Journalisten Georges Malbrunot und Christian Chesnot waren am 20. August im Irak verschwunden.

"Was wir von unseren amerikanischen Freunden gerne hätten, ist ein Korridor, wie sie ihn gestern für die italienischen Geiseln eröffnet haben", sagte der Sprecher. Zwei italienische Mitarbeiterinnen einer Hilfsorganisation waren am Vortag frei gekommen. In Italien war nichts über eine Mithilfe der USA bekannt geworden. Der Sprecher sagte weiter, Brett habe eine Zusage für die Freilassung erwirkt, ohne dass ein Lösegeld angeboten worden sei. Einem italienischen Abgeordneten zufolge war eine Million Dollar (etwa 812.000 Euro) für die Freilassung der Frauen gezahlt worden, was von offizieller Seite dementiert wurde.

Keine Bestätigung von französischem Außenministerium

Das französische Außenministerium bestätigte die Angaben des Sprechers nicht. "Seit gestern Abend verfolgen wir, was Herr Brett sagt, aber wir haben keine Informationen über seine Verhandlungen und können sie deshalb nicht bestätigen", sagte ein Ministeriumssprecher. Brett hatte am Dienstag im arabischen Fernsehen gesagt, er habe die Geiseln getroffen. Er ist der Präsident des bisher wenig bekannten Französischen Büros für industrielle und kulturelle Entwicklung (OFDIC), das sich nach eigenen Angaben für französische Interessen im Ausland einsetzt. "Es war eine persönliche Initiative", sagte Bretts Sprecher. "Er kennt die an der Sache Beteiligten sehr gut."

Eine Gruppe mit dem Namen Islamische Armee des Irak hatte sich zu der Entführung bekannt und gefordert, dass Frankreich sein neues Verbot moslemischer Kopftücher an Schulen wieder aufhebt. Frankreich hat dies abgelehnt. Chesnot arbeitet für den Rundfunksender Radio France Internationale (RFI) und Malbrunot für die Zeitung "Le Figaro".

Frankreich dementiert TV-Bericht

Zuvor hatte das französische Außenministerium einen arabischen Fernsehbericht dementiert, dem zufolge eine Einigung über die Freilassung der zwei im Irak verschleppten französischen Journalisten erreicht worden sein soll. "Wir haben keine Kenntnis von einem Abkommen bezüglich der Freilassung der Geiseln", erklärte das Ministerium am späten Dienstagabend. "Wir wissen nichts über eine Mission eines Gesandten, der die Geiseln getroffen haben soll."

Der Fernsehsender Al Arabija hatte am Dienstag ein Telefongespräch mit einem Mann geführt, der Philippe Brett genannt und als Mitglied einer französischen Delegation in der Geiselaffäre vorgestellt wurde. Der Mann hatte erklärt, dass die verschleppten Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot "gesundheitlich, auch psychologisch, in guter Verfassung" seien. Er habe die Geiseln gesehen und eine Vereinbarung über ihre Freilassung erreicht. Chesnot und Malbrunot sowie ihr syrischer Fahrer Mohammad al-Jundi befinden sich seit dem 20. August in der Gewalt der Gruppe "Islamische Armee im Irak". (APA/Reuters/dpa)

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