Wiener Frauenmord: Verdächtiger hatte spektakulären Selbstmord geplant

29. September 2004, 21:16
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Pressesprecher aus dem Medienteam von Wiens Vizebürgermeisterin habe den Suizidversuch abgebrochen, dann wurde ihm schlecht

Wien - So lange es keine Rolle bei der Aufklärung eines Kriminalfalles spielt, ist es Ernst Geiger, dem Leiter der Wiener Kriminaldirektion 1, egal, welchen Beruf jemand hat. Wichtig ist, was einer verdächtigen Person vorgeworfen wird. Im Fall von Martin W. (39) ist es Mord. Er soll vergangenen Montag seine Freundin Gudrun P. (36) erwürgt haben.

Täter aus dem Medienteam von Wiens Vizebürgermeisterin

Dass der mutmaßliche Täter aus dem Medienteam von Wiens Vizebürgermeisterin Grete Laska stammt, ist für die Kriminalisten zweitrangig. Ganz im Gegensatz zu manchen Journalisten, die ihre Bekanntheit mit dem plötzlich zum mutmaßlichen Mörder gewordenen Kollegen ausnutzten, um die Öffentlichkeit mit fragwürdigen Details aus dem Privatleben des Paares zu versorgen, noch bevor W. überhaupt gefunden werden konnte.

Wie in einem Teil der gestrigen STANDARD-Ausgabe berichtet, wurde Martin W. Dienstagabend auf einem Parkplatz in Bad Deutsch-Altenburg (NÖ) gefasst. "Er saß in seinem Auto, geistesabwesend, leistete bei der Verhaftung keinen Widerstand", hieß es beim Gendarmerieposten.

Im Zuge der Einvernahme in Wien legte W. laut Kripo schließlich ein Geständnis ab. Er habe seine Freundin, mit der er seit Sommer zusammengelebt hatte, erwürgt, weil sie ihn verlassen wollte. "Ein Verbrechen aus Verlustangst", wie es Chefkriminalist Geiger bezeichnete.

Benzinkanister

Knapp nach der Tat in der Wohnung in Wien-Brigittenau hatte W. Freuden per SMS mitgeteilt, dass er "das Furchtbarste getan habe, was ein Mensch tun kann", und seinen Selbstmord angekündigt. Wie die Polizei herausfand, kaufte W. einen Kanister mit Benzin und verteilte die brennbare Flüssigkeit in seinem Wagen. Auf einer Landstraße in Niederösterreich wollte er schließlich gegen einen Lkw rasen. Er habe jedoch den Suizidversuch abgebrochen, weil ihm das entgegenkommende Schwerfahrzeug als zu klein erschienen sei. Dann blieb er, nachdem ihm vom Benzin schlecht geworden war und er erbrochen hatte, vermutlich einen Tag lang bis zu seiner Festnahme auf dem Parkplatz im Wagen sitzen.

Mittwochabend wurde Martin W., der weiterhin als akut suizidgefährdet eingestuft wird, in Untersuchungshaft überstellt. (simo, DER STANDARD Printausgabe 30.9.2004 )

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