Austria für Legia-Sturmlauf gerüstet

30. September 2004, 21:42
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Kronsteiner: "Können Berge versetzen" - Warschau-Coach Kubicki im Kreuzfeuer der Kritik - Bernd Krauss einer der Nachfolgekandidaten

Warschau - Mit großer Vorsicht, aber auch mit Vorfreude blickt die Wiener Austria Richtung UEFA-Cup-Rückspiel am Donnerstag in Polen gegen Legia Warschau (20:45 Uhr, live Premiere Austria). "Das wird eine Lawine. Wenn man nicht richtig gewappnet ist, kann das böse enden", weiß Teammanager Günter Kronsteiner, der das "Projekt Legia" mit seinen Mannen penibel vorbereitet hat. Beim polnischen Gegner überschatteten hingegen Gerüchte um die Ablöse von Trainer Dariusz Kubicki die Vorbereitungen auf die Partie im mit 16.000 Zuschauern ausverkauften Warschauer Heeresstadion Wojska Polskiego.

"Legia gibt sich unwahrscheinlich selbstsicher"

Die Austria erwartet nach dem knappen 1:0-Hinspielerfolg nicht nur einen Hexenkessel, sondern auch extrem selbstbewusste Hausherren, die schon in der bärenstarken Anfangsphase in Wien (u.a. zwei Stangenschüsse) gezeigt haben, wie gefährlich sie sein können. "Legia gibt sich unwahrscheinlich selbstsicher. Sie sind der Meinung, dass sie den Aufstieg bereits in der Tasche haben. Deswegen freue ich mich auf dieses Spiel", meinte ein kämpferischer Kronsteiner, dessen Team in den vergangenen sieben Pflichtspielen bei einem Torverhältnis von 21:0 sieben Mal gewonnen hat.

"Wir sind in der Lage, Berge zu versetzen, und das wird auch nötig sein. Die Trauben hängen in Warschau sehr hoch. Legia ist technisch hervorragend und körperlich in einer ungewöhnlichen Verfassung", so Kronsteiner, der nach den Ausfällen von Kiesenebner (gesperrt), Dheedene (verletzt) und Antonsson (krank) mit Personalsorgen im Defensivbereich Richtung Warschau abgeflogen ist.

Kubicki vor dem Aus

In der polnischen Hauptstadt warten ähnliche Temperaturen wie derzeit in Österreich und ein Gegner, der mit jenen Problemen kämpft, die in den vergangenen Jahren so oft in Wien-Favoriten vorgeherrscht hatten. Beim polnischen Vizemeister steht nämlich Trainer Kubicki (seit Juni 2003 im Amt) vor dem Aus. Und das, obwohl Legia nach vier Siegen und zwei Remis ungeschlagen auf Rang drei der "Ekstraklasa" zu finden ist.

Die polnische Presse berichtet seit Wochen über die bevorstehende Ablöse des 37-fachen Teamspielers (u.a. WM 1986 in Mexiko), dessen Draht zur Mannschaft gestört sein soll. Dem 40-Jährigen wird Arroganz und Unnahbarkeit vorgeworfen, außerdem sieht der neue Eigentümer, der Medienkonzern ITI, keine Forstschritte im Spielsystem. Mit Jozef Chovanec, Srecko Katanec, Javier Clemente, Anghel Iordanescu sowie Ex-Admira-Coach Bernd Krauss wurden auch bereits eine Reihe von Namen ins Spiel gebracht.

Bereits einmal gefeuert

"Es ist sicherlich nicht die beste Art der Vorbereitung für solch ein wichtiges Spiel. Es ist doch etwas deprimierend, wenn man weiß, dass sich die Kabinengespräche der Spieler nicht um die Austria, sondern um meinen eventuellen Nachfolger drehen", meinte Kubicki zu den unerfreulichen Schlagzeilen in den Zeitungen. Für Kubicki wäre es bereits das zweite Aus bei Legia, vor fünf Jahren war er bereits nach nur vier Monaten abgelöst worden. Wie wichtig er die Partie nimmt beweist die Tatsache, dass Legia zum ersten Mal seit zwei Jahren vor einem Heimspiel kaserniert wird.

Mit dem Spiel gegen die Austria wird in Warschau der brandneue Rasen inklusive Heizung im Legia-Stadion eingeweiht. Die Polen mussten daher seit rund einem Monat auf einem Nebenplatz trainieren und betreten so wie die Gäste aus Wien "Neuland". Das rund 460.000 Euro teure Projekt wurde von der Warschauer Stadtgemeinde finanziert.

Austrias Nigerianer mit Einreiseproblemen

Austria Nigerianer Rabiu Afolabi und Tosin Dosunmu hatten sich am Mittwoch bei der Ankunft in Warschau mit Einreiseproblemen herumzuschlagen. Während die Südamerikaner Fernando Ariel Troyansky (Argentinien) und Fernando Santos (Brasilien) die Passkontrolle problemlos absolvierten, reklamierten die polnischen Beamten beim afrikanischen Duo ein fehlendes Visum. Austria-Manager Markus Kraetschmer besorgte Afolabi und Dosunmu für jeweils 70 Euro das laut polnischem Gesetz für Nigerianer notwendige Visum, das Duo konnte daraufhin mit rund 45-minütiger Verspätung einreisen.

Auf dem rund einstündigen Flug von Wien in die polnische Hauptstadt gab es fürs Geburtstagskind Ivica Vastic, der seit Mittwoch 35 Jahre alt ist, vom Bordpersonal eine Sacher-Torte. Am Mittwochabend absolvierten die Violetten in Warschau ihr Abschlusstraining.(APA)

Mögliche Aufstellung und technische Daten zum Fußball-UEFA-Cup-Rückspiel (1. Hauptrunde) Legia Warschau - Austria Wien am Donnerstag:

  • Legia Warschau - Austria Wien (Warschau, Wojska-Polskiego-Stadion, 20:45 Uhr/live Premiere Austria, SR Nicolai Vollquartz/Dänemark, Hinspiel: 0:1)

    Legia: Boruc - Szala, Jozwiak, Podelica - Sokolowski I, Karwan, Magiera, Surma, Kielbowicz - Saganowski, Wlodarczyk Ersatz: Krysztalowicz - Dudek, Stanford, Kurauzvione, Wroblewski, Kowalski, Doros, Sokolowski II Es fehlen: Djokovic, Zielinski, Choto, Jarzebowski (alle verletzt)

    Austria: Didulica - Dospel, Afolabi, Papac, Troyansky - Sionko, M. Wagner, Blanchard, Vachousek - Rushfeldt, Vastic Ersatz: Safar - Janocko, Dosunmu, Gilewicz, Kitzbichler, Metz, Santos Es fehlen: Kiesenebner (gesperrt), Antonsson (Lebensmittelvergiftung), Dheedene (Achillessehnenprobleme), Ratajczyk (rekonvaleszent)

    • Die Austria erwartet in Warschau ein heißer Tanz.

      Die Austria erwartet in Warschau ein heißer Tanz.

    • Vastic feierte seinen 35er im Flugzeug nach Warschau.

      Vastic feierte seinen 35er im Flugzeug nach Warschau.

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