Schule ohne Sitzenbleiben Realität - Schulversuch genehmigt

15. Dezember 2004, 18:30
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Im Realgymnasium Krottenbachstraße wird ein neues Unterrichtsmodell erprobt

Wien – Nun wurde er auch ministeriell abgesegnet: Im Realgymnasium Krottenbachstraße wurde jener Schulversuch genehmigt, bei dem die Schülerinnen und Schüler nicht mehr sitzen bleiben können. Das neuartige Unterrichtsmodell an der Schule wurde aller dings – in Erwartung der Zustimmung des Ministeriums – bereits mit dem heurigen Schulbeginn in die Tat umgesetzt. Der Mehraufwand mit dem neuen System sei beträchtlich, erklärte Direktor Georg Latzke, aber die Freude damit sei auch groß.

Bereits bei der Präsentation des neuen Modells zerstreute der Direktor Hoffnungen, man könne Chemie, Mathematik oder Englisch künftig spritzen: Diese Fächer werden in "Basismodulen" weiterhin unterrichtet. Schließlich muss allen Grundlegendes vermittelt werden, um die Hochschulreife zu erhalten. Allerdings wurden die Stunden dafür auf ein Mindestmaß gekürzt, die so frei werdenden Einheiten werden nun in den Wahlfächern angeboten. Wer ein Faible für Chemie hat, kann das im Wahlfach "Biochemie" vertiefen. Wer Sport liebt, kann sich zum Olympia-Experten bilden.

Auch soziale Kompetenz ist vorgesehen. Ziel ist es, den Unterricht so anzubieten, dass besser auf Begabung und Interesse der Schüler eingegangen werden kann. Bestand haben nur die Noten. Auch im Kurs wird die Leistung von Eins bis Fünf beurteilt. Jeder Kurs muss positiv absolviert werden, eine Wiederholungsprüfung ist möglich. Klappt es dann noch immer nicht, muss der Kurs wiederholt oder durch einen anderen ersetzt werden. 25 Kurse gehören absolviert.

Neue Lehrerrolle

Lehrer bekommen mit dem Kurssystem eine neue Rolle. Sie werden vom Klassenvorstand zum "Coach" oder "Laufbahnberater". Es bieten sich auch für Lehrer neue Unterrichtsfächer. Sie können als Modul anbieten, was sie schon immer gerne unterrichten wollten.

An dem Kurssystem haben bereits etliche Wiener Schulen Interesse gezeigt. Bei einer vom Standard und dem BRG Stubenbastei im Frühjahr veranstalteten Diskussion zu dem Thema wurden weitere Reformansätze diskutiert. Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl kündigte neue Schulversuche an.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.9.2004)

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