Gegen Nigeria und die Ölkonzerne

7. Februar 2005, 14:15
10 Postings

"Niger Delta Volunteer Force" kämpft um Autonomie – Kriegsbeginn 1. Oktober

Lagos/Wien – Das ölreiche Niger-Delta ist buchstäblich eine explosive Gegend: Banden von Öldieben bohren Pipelines an, die dabei mitunter explodieren. Dutzenden Menschen starben heuer bereits. Flusspiraten terrorisieren die Region, unlängst verschwand sogar ein konfiszierter Öltanker aus einem Polizeidock.

Und nun drohen die Rebellen der "Niger Delta Volunteer Force", die für eine Autonomie des südlich von Lagos gelegenen Landstrichs kämpfen, der nigerianischen Regierung mit einem Krieg, der am 1. Oktober beginnen soll. Die im Delta tätigen Ölunternehmen sollten ihre Förderung zu diesem Zeitpunkt einstellen, hieß es in einer Dienstagnacht verbreiteten Erklärung.

Shell und die italienische Agip brachten bereits vor einigen Tagen nicht unbedingt notwendige Arbeitskräfte in Sicherheit. Die Rohölproduktion werde davon aber nicht betroffen, die Fördermengen blieben gleich hoch, hieß es.

Im jüngsten Kommuniqué der Rebellen werden die Ölanlagen allerdings als legitime Ziele genannt. Denn die Ölfirmen begünstigten "Akte des Völkermords gegen unsere Leute", so Rebellenführer Mujahid Dokubo-Asari. Konkret warf er Shell und Agip vor, die Regierung bei jüngsten Luftangriffen auf Rebellenpositionen unterstützt zu haben. Beide Firmen bestritten dies.

Mit Ken Saro-Wiwa

Azari kündigte eine Ausweitung der Kämpfe auf das gesamte Delta an, bisher hatten sich die Gefechte nur auf dessen Heimatregion nahe Port Harcourt beschränkt. Das im Delta lebende Mehrheitsvolk der Ijaw sieht Asari als einen Volkshelden an, die Regierung nennt ihn dagegen einen Banditen.

Er selbst beruft sich unter anderem auf den 1995 hingerichteten Schriftsteller Ken Saro-Wiwa als intellektuellen Vater seines vor rund einem Jahr begonnenen Kampfes. 200.000 Gefolgsleute sollen ihm nach eigenen Angaben unterstehen.

Die internationalen Ölkonzerne fürchten besonders einen Aufstand nahe der Stadt Warri im westlichen Delta. Dort kam es bereits im vergangenen Jahr zu einer Ijaw-Revolte, die vorübergehend 40 Prozent der nationalen Ölförderung lahm legte.

Insgesamt beträgt der nigerianische Ausstoß 2,5 Millionen Barrel Rohöl pro Tag, das Land ist der fünftgrößte Lieferant der Vereinigten Staaten. (pra/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.9.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Rebellen der "Niger Delta Volunteer Force" verlangen, dass die Ölunternehmen ab 1. Oktober die Förderung einstellen.

Share if you care.