NS-Verbrecherprozess: Hauptzeuge kommt nicht nach München

29. September 2004, 19:13
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Zeuge Repasky kann Vorladung aus gesundheitlichen Gründen nicht folgen - Angeklagter Niznansky soll für drei Massaker verantwortlich sein

München - Im Münchner Mordprozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher Ladislav Niznansky wird der Hauptbelastungszeuge nicht persönlich vor Gericht aussagen. Er werde seiner Vorladung vor das Schwurgericht aus gesundheitlichen Gründen nicht folgen, sagte der Vorsitzende Richter Manfred Götzl am Dienstag. Der 78 Jahre alte Jan Repasky sei aber bereit, sich einer Vernehmung per Videokonferenzschaltung zu stellen.

Soll für drei Massaker verantwortlich sein

Der Angeklagte Ladislav Niznansky soll als Chef der slowakischen Einheit der deutschen Partisanen-Abwehrgruppe "Edelweiß" für drei Massaker gegen Ende des Zweiten Weltkriegs verantwortlich sein, bei denen 164 Zivilisten getötet wurden. Er selbst soll mindestens 20 Menschen eigenhändig erschossen haben. Als Mitglied seiner Einheit will Repasky dies gesehen haben.

Repasky wurde selbst 1962 von einem slowakischen Gericht nach einem Geständnis zu acht Jahren Haft verurteilt. Seine Vorwürfe gegen Niznansky hatte Repasky erstmals 2001 vor der Staatsanwaltschaft München erhoben. Dabei schilderte er auch, dass Niznansky sagte, keine lebende Seele dürfe aus den Dörfern entkommen. Jedoch hat er auch eine diesen Anschuldigungen widersprechende Aussage gemacht: 1993 soll Repasky unter Eid erklärt haben, er sei an den Massaker- Orten gar nicht im Einsatz gewesen und 1962 zu seinem Geständnis gezwungen worden.

Schwierige Beweislage

Die Beweislage in dem Prozess ist nach fast 60 Jahren schwierig. Von insgesamt 20 geladenen Zeugen aus der Slowakei haben elf eine Aussage aus Alters- und Krankheitsgründen grundsätzlich abgelehnt. Neun wollen sich einer kommissarischen Vernehmung daheim oder einer Anhörung mittels Konferenzschaltung stellen. Darunter ist neben Repasky eine von drei Überlebenden der Massaker. Über den Zeitpunkt der technisch aufwändigen Verhöre ist noch nicht entschieden. (APA/dpa)

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