Greenpeace besetzte NÖM-Zentrale in Baden

30. September 2004, 22:49
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Protest gegen angebliche Fütterung der Milchkühe mit Gentech-Soja - NÖM sichert "mittelfristigen Gentech-Ausstieg zu"

Baden - Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace hielten am Dienstag die Zentrale der Niederösterreichischen Molkerei AG (NÖM) besetzt. Sie protestierten gegen den Einsatz von Gentech-Soja im Futter der Milchkühe. Während 14 Aktivisten in das Bürogebäude vorgedrungen waren, demonstrierten weitere 23 Umweltschützer auf dem Dach und vor der NÖM-Zentrale mit Transparenten.

"Die Tirolmilch hat seit September 2003 gentechnikfreie Milch auf dem Markt. Der Vorstand der Kärntnermilch hat am 9. September beschlossen, auf Gentech-Soja zu verzichten. Jetzt muss auch die NÖM die Weichen für den Ausstieg aus der Gentechnik stellen", fordert Greenpeace-Sprecher Steffen Nichtenberger. Die Umweltaktivisten haben angekündigt, das Gebäude erst verlassen zu wollen, wenn die NÖM eine glaubwürdige Zusage macht. Greenpeace schätzt, dass bei der NÖM rund 24.000 Tonnen Gentech-hältige Soja eingesetzt werden.

300 Millionen Liter Rohmilch

Die NÖM AG - im Besitz der Raiffeisen Holding NÖ-Wien - ist die wichtigste Molkereiengruppe in Ostösterreich. Nach eigenen Angaben verarbeitet sie jährlich rund 300 Millionen Liter Rohmilch, hieß es in einer Greenpeace-Aussendung. Man habe die NÖM in der Vergangenheit bereits mehrmals schriftlich aufgefordert, auf den Einsatz von Gentechnik im Milchkuh-Futter zu verzichten - bisher ohne Erfolg.

NÖM sichert "mittelfristigen Gentech-Ausstieg zu"

Die Besetzung der NÖM-Zentrale durch Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace war am späten Vormittag beendet. Das Unternehmen hat nach Angaben von Greenpeace-Sprecher Steffen Nichtenberger einen "mittelfristigen Ausstieg aus der Gentech-Fütterung" zugesichert. "Der Einstieg zum Ausstieg ist geschafft", freute sich Nichtenberger nach der erfolgreichen Aktion.

Laut Greenpeace-Aussendung wurden die Verhandlungen mit NÖM-Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hagenow geführt. "Wir werden die weitere Umsetzung dieser Vereinbarung genau überwachen", so Nichtenberger. NÖM habe weiters zugesagt, die Umweltorganisation auf dem Laufenden zu halten. Zudem wolle man sich seitens des Konzerns dafür einsetzen, dass die Raiffeisen Ware Austria (RWA) ausreichend Gentech-freie Futtermittel zur Verfügung stellt.

Untersuchungen

Bei Untersuchungen in Bayern wurden bereits im Jahr 2000 Rückstände von Futter-DNA in der Kuhmilch nachgewiesen - sowohl von gentechnisch veränderter Soja als auch von Gentech-Mais. Die Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass es sich dabei um DNA handelt, die den Verdauungstrakt überstanden hat. Bisher war die Wissenschaft davon ausgegangen, dass das nicht möglich sei. Auch ein Fütterungsversuch mit Gentech-Soja hat bedenkliche Ergebnisse geliefert. So wurden im Jahr 2002 bei Ratten vergrößerte Zellkerne in Leber und Dünndarm festgestellt. Ein weiterer Fütterungsversuch ergab einen erhöhten Milchfett-Anteil bei den Kühen, die Gentech-Soja gefressen hatten.

Im Rahmen einer Umfrage haben sich laut Greenpeace im vergangenen Frühjahr 88 Prozent der befragten Österreicher und 97 Prozent der Landwirte gegen den Einsatz von Gentech-Tierfutter ausgesprochen. Berechnungen der Umweltorganisation zufolge kostet der Umstieg auf Gentech-freies Soja etwa 0,1 Cent pro Liter Milch. Nichtenberger: "Die NÖM muss die Sorgen der Konsumenten ernst nehmen, und den Einstieg zum Ausstieg aus der Gentech-Fütterung setzen." (APA)

  • Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace hielten am Dienstag die Zentrale der NÖM AG in Baden 
bei Wien besetzt.
    foto: greenpeace/juraj rizman

    Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace hielten am Dienstag die Zentrale der NÖM AG in Baden bei Wien besetzt.

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