Schaumgebremste "Carmen" eröffnet Klagenfurter Saison

27. September 2004, 20:00
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Die Klischee-Oper schlechthin macht auch vor Dietmar Pflegerls heiß umfehdetem Musentempel nicht Halt

Die Klischee-Oper schlechthin macht auch vor Dietmar Pflegerls heiß umfehdetem Musentempel nicht Halt: Spanische Rhythmen, laszive Tänze, emotionsgeladene Dialoge, immergrüne Arien und bluttriefende Beziehungskrisen ziehen eine ungebrochen begeisterte Fangemeinde an sich. Vor einem sorgfältig zeitlosen, unverbindlich zurückhaltenden Bühnenbild von Bernd-Dieter Müller entwickelt sich das Geschehen in schleppenden, manchmal zu statischen Abläufen. Unter der Regie Ansgar Haags blitzen in dieser Carmen Raffinement und Erotik nur allzu selten auf, bieder und brav, mitunter ängstlich verrichten die Protagonisten ihre Arbeit:

Die Mutation vom strammen Soldaten zum triebgesteuerten, den Verführungskünsten der Femme fatale ausgelieferten Lemming vollführt Mehrzad Montazeri als Don José unter sicht- und hörbarer Aufbietung aller Kräfte, um den vokalen Herausforderungen auch nur annähernd gerecht zu werden. Sokolin Asllani als Escamillo steht in ständiger Konfrontation mit Intonation und stimmlichem sowie gestischem Ausdrucksvermögen! Christian Sists Leutnant gerät etwas hölzern. Auf der "Butterseite" schwimmen hingegen Sandra Trattnig als wunderbar ausgewogene und nuancierte Micaela sowie Nora Sourouzian als Carmen, die ihr verletzungsbedingtes Handikap nur ansatzweise erkennen lässt. Chor und Orchester agieren solide, den Instrumentalisten (und sich selbst) könnte Dirigent Carlos Dominguez-Nieto etwas mehr Temperament abverlangen. Ein schaumgebremster Saisonstart. (bay/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2004)

Stadttheater Klagenfurt
0463/552 66
Jeweils 19.30
Bis 14. 12.
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