Metamorphosen und Energiefelder

26. März 2005, 23:30
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"Goldt trifft Grill", organisiert von sixpackfilm, stellt zwei profilierte Vertreterinnen der heimischen digitalen Filmavantgarde vor

Wien - Das Programm, das sixpackfilm unter dem Titel Goldt trifft Grill präsentiert, stellt zwei profilierte Vertreterinnen der heimischen digitalen Filmavantgarde vor - beziehungsweise in Bezug zueinander. Auf den ersten Blick werden zunächst die markanten Unterschiede augenfällig: Die Arbeiten von Karø Goldt bestechen durch ihre intensiv leuchtende Farbigkeit, während Michaela Grill dafür zwischen Schwarz und Weiß alle Grauschattierungen auslotet.

Goldts Filme nehmen stärkeren Bezug auf die bildende Kunst, basieren auf Fotos, die unter anderem mittels diskreter Überarbeitungen und sanfter Überblendungen langsame Metamorphosen durchlaufen:

Zarte Aquarellspuren tauchen bei mir mig men (2002) im Weiß der Leinwand auf und wieder ab, bevor sich allmählich die Aufnahme eines Fliegercockpits konkretisiert. Im Farbbad von Solo mit Chor (2004) vermeint man nur, an einem flächigen Frauenporträt einen sich fortlaufend verändernden Ausdruck wahrzunehmen.

Grills Arbeiten - mehr in einer filmischen Avantgardetradition stehend - sind dagegen dynamischer, abstrakter. Amorphe Strukturen und Oberflächentexturen werden hier in flirrende Bewegung versetzt. Flüchtige, abstrakte Schatten flackern etwa in trans (2002) über die Leinwand und verdichten sich in Wechselwirkung mit den Sounds von Martin Siewert zu einem mitreißenden audiovisuellen Energiefeld.

Die Filme beider Künstlerinnen entstehen in enger Zusammenarbeit mit heimischen Musikformationen aus dem Elektronikbereich:

Das Duo rashim hat alle gezeigten Arbeiten von Goldt jeweils sehr eigenwillig vertont. Grill hat mit Takeshi Fumimoto oder Radian kooperiert. In my kingdom for a lullaby #2 scheint die - mit Billy Roisz gefertigte - Bildspur unter Strom zu stehen, der wiederum auch die dazugehörigen Töne (Kurzmann/Nakamura/ Siewert) liefert. Heute, Dienstag, um 20 Uhr bringen Grill und Goldt die Leinwand im Topkino zum Vibrieren. (DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2004)

Von Isabella Reicher

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sixpackfilm.com

  • Karø Goldt: LOST
A/D 2004, 5 min: sound: rashim
    foto: sixpackfilm

    Karø Goldt: LOST
    A/D 2004, 5 min: sound: rashim

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