Amerikas anonyme Medienstars - Wie Weblogs den Wahlkampf beeinflussen

5. November 2004, 12:47
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"Wired": Blogger haben Image als "Möchtegernjournalisten, die in der Unterwäsche vor ihren PCs sitzen" abgelegt

Von den drei in diesem US-Wahlkampf besonders einflussreichen Massenmedien können zwei nur in den USA selbst im Detail verfolgt werden: Kabelsender wie Fox News und provokante, meist rechtslastige Radio-Talkshows. Das dritte Medium, das den anderen zunehmend die Inhalte vorgibt, ist aber weltweit zugänglich: Web-Logs im Internet.

Es waren Amateur-Enthüller, die den CBS-Altstar Dan Rather in Bedrängnis brachten. Sie belegten, auch mit Gutachten von Schriftsachverständigen, dass ein angeblich aus dem Jahr 1973 stammendes Dokument (in dem es um die bevorzugte Behandlung von George W. Bush in der Nationalgarde ging) mit einem erst 1989 eingeführten Microsoft-Word-Programm geschrieben worden war.

Damit hätten die Blogger endgültig ihr Image als "Möchtegernjournalisten, die in der Unterwäsche vor ihren PCs sitzen", abgelegt, schreibt das Magazin "Wired". Tatsächlich sind auf Websites wie freerepublic.com, instapundit.com, littlegreenfootballs.com und powerlineblog.com auch Einträge von Experten zu finden. So legt auf Instapundit ein als "Mystery Pollster" firmierender Meinungsforscher der Demokraten (der seine akademische Laufbahn angibt) dar, wo die Schwächen der gängigen Umfragen liegen (z.B. darin, dass sie sich seit Jahren unverändert nach der Parteinähe der Befragten erkundigen, obwohl diese inzwischen viel lockerer geworden ist.)

Auffallend ist, dass viele dieser Blogs rechtslastig sind. Powerline wirft Kerry-Beratern Plagiatorentum vor. Auf Footballs gibt es seit den jüngsten, für Bush günstigen Umfrageergebnissen eine "Kerry Meltdown Watch".

E-Mails gegen Enten

Im Gegenzug enthüllt die vom abgesprungenen Republikaner David Brok initiierte Seite mediamatters.org Falschmeldungen in rechten Medien und fordert dazu auf, die Verantwortlichen mit E-Mails zu bombardieren.

Schräg bleiben viele der Blogger dennoch. So verweist einer auf die Internetfirma buycostumes.com, die sich auf den Versand von Masken und Kostümen spezialisiert hat. Eine Umfrage unter Maskenherstellern habe ergeben, dass seit dem Wahlkampf 1980 stets mehr Larven mit dem Gesicht des späteren Wahlsiegers verkauft worden sind. Am Montag stand das Masken-Verkaufsduell 56 Prozent für George W. Bush und 44 für John Kerry. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 28.9.2004)

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    Masken-Verkaufsduell: 56 Prozent für George W. Bush und 44 für John Kerry.

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