Fachhochschule statt AUA-Zentrale

12. Oktober 2004, 14:17
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Die AUA hat mit Wien, Niederösterreich und Schwechat eine Lösung erzielt, die es ihr ermöglicht, ihre Zentrale in Oberlaa aufzugeben und auf den Flughafen zu übersiedeln

Wien - Jetzt ist es fix: Am Montag beschloss der AUA-Aufsichtsrat, dass eine neue Konzernzentrale auf der technischen Basis der AUA am Flughafen Wien-Schwechat errichtet wird. Die Baukosten für das 29.000 m2 große Gebäude für 800 Mitarbeiter sind mit 40 Mio. Euro budgetiert. Geplant wird der Neubau vom Architektenteam Henke und Schreieck.

Voraussetzung für die Übersiedlung von Wien-Oberlaa nach Schwechat war eine Einigung mit der Stadt Wien, denn die derzeitige Konzernzentrale wurde in den Jahren 1975 bis 1978 auf einem 37.000 m2 großen Baurechtsgrund der Gemeinde Wien errichtet. Der Nutzungsvertrag ginge noch bis zum Jahr 2024.

Wäre es zu keiner Einigung mit Wien gekommen, hätte die AUA einen Nachmieter bringen oder die Liegenschaft geräumt übergeben müssen. Das hätte bedeutet, das Gebäude - das einst um 500 Mio. Schilling (36,6 Mio. Euro) errichtet worden ist - abzureißen.

Mit einer jährliche Pacht von nur rund 218.000 Euro war die Belastung relativ gering. Zusätzlich verliert die Stadt Wien aber durch die Abwanderung nach Niederösterreich auch eine Million Euro an Kommunalsteuer. Daher galt es auch, das Land Niederösterreich und die Gemeinde Schwechat für eine Paketlösung zu begeistern.

Interessenausgleich

Wien wollte den Verlust von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen nicht ohne Gegenleistung akzeptieren und verlangte einen Interessenausgleich. Monatelang herrschte Eiszeit zwischen Rathaus und Oberlaa.

Die ist nun beendet, das Verhältnis sei "entspannt", sagte Wiens Vizebürgermeister Sepp Rieder zum STANDARD. Eine Junktimierung etwa bei der Bewerbung um eine Beteiligung beim Flughafen in Bratislava habe es aber nicht gegeben, wie Rieder versichert.

Die Einigung zwischen AUA, den Ländern Wien und Niederösterreich (beide halten gemeinsam 40 Prozent am Flughafen Wien) und der Gemeinde Schwechat sieht nun folgendermaßen aus: Zunächst wird die Verwertungsgesellschaft Wien-Oberlaa-Entwicklungs-GesmbH gegründet (Woeg), in die die AUA ihr Bürohaus in Oberlaa zum Buchwert von zwölf Mio. Euro einbringt.

An der Woeg hält die AUA zunächst 66 Prozent, das Land Niederösterreich sowie die Gemeinde Schwechat je 16,6 Prozent. Die Baufirma bzw. der Financier des neuen Gebäudes am Flughafen wird sich ebenfalls daran beteiligen müssen.

AUA-Finanzvorstand Thomas Kleibl nannte zwei Verwertungsmöglichkeiten: Entweder die Gemeinde Wien verkauft das Grundstück an die Woeg, oder die Gemeinde Wien erwirbt das Haus. Letzteres wäre die beste Lösung, glaubt Kleibl.

Mögliche Fachhochschule

Sollte Wien das Haus kaufen, könnte dort künftig eine Fachhochschule untergebracht werden. Welche, darüber wollte Rieder noch keine Angaben machen. Eher wenig Chancen werden einer Erweiterung der Therme Oberlaa, einem Hotel oder gar Wohnungen gegeben.

Die AUA wird jedenfalls im nächsten Frühjahr mit dem Neubau am Flughafen beginnen und ab der zweiten Jahreshälfte 2006 erstmals Flugbetrieb, Technik, Finanz, Linien- sowie Charter- und Ferienflugmarketing an einem Standort konzentrieren.

Die Büros der 200 Mitarbeiter im World Trade Center werden aufgegeben, sodass 800 Mitarbeiter im neuen Gebäude sitzen werden. (Claudia Ruff/DER STANDARD Printausgabe, 28.09.2004)

  • 1978 bezog die AUA ihren Firmensitz in Wien-Oberlaa. Ab 2006 wird ein neues Bürohaus am Flughafen bezogen. Am Standort Oberlaa könnte eine Fachhochschule einziehen.

    1978 bezog die AUA ihren Firmensitz in Wien-Oberlaa. Ab 2006 wird ein neues Bürohaus am Flughafen bezogen. Am Standort Oberlaa könnte eine Fachhochschule einziehen.

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