Die neue EU als Karrieresprungbrett

15. März 2005, 10:17
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Nicht sehr begehrt, aber im Rückblick effektiv: Lernaufenthalte in den neuen Mitgliedstaaten

"Jó napot!" – betritt man eine ungarische Zahnklinik, schallt einem dieser Satz von allen Ecken entgegen. Doch wie kommt es, dass wir die halbjährlichen Zahnarztbesuche in unserem Nachbarland absolvieren, aber nicht wissen, was in der Landessprache "guten Tag!" heißt?

Seit ersten Mai 2004 zählt die Europäische Union nun mehr 25 Mitgliedstaaten, die in 21 verschiedenen Amtssprachen miteinander kom unizieren. Da Österreich, als Nachbarland von Tschechien, Ungarn, Slowenien und der Slowakei, einen wichtigen Kernpunkt in der neuen Gemeinschaft bildet, eröffnen sich viele neue Chancen, von denen vor allem jungen Menschen profitieren können.

Einen ersten Schritt in diese Richtung wagten bisher 85 Schulen in ganz Österreich: Sie boten ihren Schülern an, eine slawische Sprache zu erlernen – 2972 Schüler machten davon auch Gebrauch. Anders sieht das Bild bei Schüleraustauschprogrammen mit östlichere Ländern aus: Bis zu zwölf Jugendliche jährlich waren es bis vor einigen Jahren, die eine Reise in ein östliches Nachbarland wagten. "Jetzt ist das Interesse leider nur mehr sehr gering", meint Karin Gruber von der Sprachreiseagentur American Field Service (AFS).

In den letzten 13 Jahren wurden Sprachaufenthalte im Osten noch gefördert, um die östlichen Länder in die EU einzubinden. Den Jugendlichen aus Österreich sollten so Kultur und Sprache näher gebracht werden, um später auch ihre Chancen im Berufsleben zu steigern. Auch Adolf Stricker, Präsident des Niederösterreichischen Landesschulrats, ist davon überzeugt, dass "Schüler, die eine der neuen EU-Sprachen beherrschen, höhere Chancen am Arbeitsmarkt haben". Sowohl bei österreichischen Firmen, die zusätzlich ein Standbein im Ausland haben, als auch bei ausländischen Firmen, die in Österreich tätig sind.

Vergleichbar günstig

90 Schüler sind es heuer allein bei AFS, die für 5000 bis 8600 Euro ein Semester oder Jahr an einer amerikanischen Highschool verbringen. Verglichen damit kostet ein Trimester im Osten mit 1200 Euro relativ wenig und auch Sprachkenntnisse sind nicht unbedingt Voraussetzung. Trotzdem entschied sich heuer nur eine einzige österreichische Schülerin, ein von AFS organisiertes Dreimonatsprogramm in Tschechien zu absolvieren. "Ganz anders die neuen Europäer, die gerne über Austauschprogramme nach Österreich kommen und als kontaktfreudige, lernbegeisterte und aktive Jugendliche bekannt sind", so Gruber.

Auch bei STA-Travel, die seit kurzem Gruppenreisen in einige der neuen EU-Länder anbieten, waren die Schüler Standard-Autoren die ersten Interessenten, die sich über Sprachreisen in ein neues EU-Land informierten. Um den Schülern die neuen Mitgliedstaaten schmackhaft zu machen, wurde von der Niederösterreichischen Landesakademie eine Lern-CD-ROM in den Sprachen Tschechisch, Slowakisch und Ungarisch entwickelt, die 20.000fach aufgelegt und kostenlos an niederösterreichische Schulen verteilt wurde. Diese unter dem Namen "Sprachoffensive" vom Land Niederösterreich geförderte Kampagne war so erfolgreich, dass die Auflage auf 34.000 Stück erhöht wurde.

(Katharina Gebetsberger Anna Maria Nics/DER STANDARD-Printausgabe,28.9.2004)

Links

EF bietet zweiwöchige Englischkurse auf Malta - www.ef.com

SFA plant drei- bis viertägige Gruppenreisen nach Prag - SFA-Reisen

STA-Travel organisiert Gruppenreisen nach Prag, Budapest und Krakau - www.startravel.at

AFS offeriert "Highschool-Years" in Lettland, der Slowakei, Tschechien und Ungarn - www.afs.at
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    bild: ef
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