"Es ist wichtig, dass wir gebildet werden und nicht ausgebildet"

15. März 2005, 10:17
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Selma Schmid von der Aktion kritischer SchülerInnen ist seit einer Woche neue Bundesschulsprecherin - ein Interview

Standard: Zum zweiten Mal hintereinander kommt der Bundesschulsprecher von der AKS. Wie erklärst du dir diesen Erfolgskurs?

Schmid: Ich glaube, dass das stark mit den aktuellen bildungspolitischen Themen zusammenhängt. Etwa in den Bereichen Stundenkürzungen und Bildungsstandards schenken uns die Schüler mehr Vertrauen.

Standard: Als Hauptpunkt deines Programms hast du eine Kampagne zur Stärkung von Schülerzeitungen präsentiert – was ist dir daran so wichtig?

Schmid: Meiner Meinung nach ist die Jugend nicht gerade sehr politisch, trotzdem gäbe es sehr viel Potenzial. Die Kampagne soll das politische und demokratische Bewusstsein der Schüler stärken sowie die freie Meinungsäußerung. Es ist wichtig, dass wir Schüler gebildet werden und nicht ausgebildet.

Standard: Glaubst du, dass da für Schülerzeitungen, die oft nur von den Schülern selbst gelesen werden, das richtige Medium sind?

Schmid: Ich glaube schon. Denn nur weil die Auflage nicht so groß ist, denke ich nicht, dass Schülerzeitungen nur von wenigen gelesen werden. Besonders wenn auch durch die Kampagne Unterstützung kommt, sollte das gut funktionieren.

Standard: Was wünschst du dir vom Bildungsministerium?

Schmid: Das Ministerium hat durchaus gute Ansätze gezeigt, etwa mit politischer Bildung im Unterricht. Was ich mir noch wünsche, ist, dass das Ministerium aufhört, uns zu zensieren und sich immer quer zu stellen. Dass wir das, was wir den Schülern vermitteln wollen, auch weitertragen können. Wir wollen nicht in eine bestimmte Richtung Politik machen, wir wollen das politische Bewusstsein fördern – das scheint vonseiten des Ministeriums nicht sehr erwünscht zu sein.

Standard: Wie ist das Verhältnis zwischen euch Schülern und den Verantwortlichen?

Schmid: Bei den Stundenkürzungen zum Beispiel hat man deutlich gesehen, dass über die Schüler einfach drübergefahren wird. Wir haben im Ministerium auch nur eine beratende Funktion und werden da meistens nicht ernst genommen, sondern ignoriert.

Standard: Was möchtest du unternehmen, um Schülern mehr Gehör zu verschaffen?

Schmid: Die einzige und beste Möglichkeit sehe ich darin, das über die Öffentlichkeit zu machen. Wir haben auch vor, hierbei mit Journalisten zusammenzuarbeiten – schließlich sind wir 1,2 Millionen Schüler die größte Berufsgruppe in Österreich.

 (Isabella Hager/DER STANDARD-Printausgabe,27.9.2004)

ZUR PERSON:

Selma Schmid, geboren 1987 in Wien als Tochter einer Türkin und eines Österreichers, besucht das Wiedner Gymnasium
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    bild: standard/cremer
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