Slowakei seit EU-Beitritt für Klein- und Mittelbetriebe noch attraktiver

9. Juni 2006, 14:29
posten

"Mentaler Eiserner Vorhang" verschwindet - Handelsdelegierter Bekos beklagt aber Korruption und Einfluss der Ost-Mafia

Preßburg - Fünf Monate nach dem EU-Beitritt der Slowakei gestaltet sich auch für Österreichs Klein- und Mittelbetriebe die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen zu den neuen EU-Nachbarn durchaus positiv, wie der österreichische Handelsdelegierte in Preßburg, Konstantin Bekos, im APA-Gespräch erklärte.

"Der mentale Eiserne Vorhang wird immer stärker hochgezogen, und seit dem EU-Beitritt wird es auch für die Klein- und Mittelbetriebe durchaus attraktiv, den Gang über die Grenze zu wagen", meint Bekos, der seit 2002 im Zentrum von Preßburg mit einem kleinen Team die Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern managt.

Neue Kategorie der Investitionssicherheit

Mit dem EU-Beitritt sei die Slowakei in eine neue Kategorie der Investitionssicherheit eingetreten. Diese höhere Sicherheit hätte vor allem für kleinere österreichische Betriebe einen Anreiz zum Grenzübertritt geboten - nicht nur die seit dem Frühjahr dieses Jahres in der Slowakei wirksam gewordene Flat Tax von 19 Prozent.

Hundert neue Betriebe aus Österreich sind nach Angaben des Außenhandelsdelegierten seit 1. Mai 2004 in der Slowakei tätig geworden. Die Zahl der Anfragen im österreichischen Wirtschafts-Kompetenzzentrum hat sich um rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr erhöht.

Ein Faktum, das auch die Leiterin des Stadt-Wien-Büros in Bratislava (Preßburg), Erika Rozkova, bestätigt: "Das Medieninteresse, aber auch die Anrufe einzelner Interessierter, haben enorm zugenommen."

Erste multinationale Erfahrung

Rund 80 Prozent der Interessenten sind laut Bekos KMU. "War es früher in erster Linie der Handel, sind jetzt auch Produzenten bzw. Betriebe, die auslagern wollen, an einer Niederlassung in der Slowakei interessiert. Und für viele kleinere Unternehmen ist es die Chance, in geringster Entfernung vom bisherigen Standort erste multinationale Erfahrung zu gewinnen", beschreibt Bekos die Motive.

Während Bratislava nach Auffassung vieler Kenner der Region durchaus österreichische Standards in puncto Sicherheit und Behördenverkehr aufweist, ortet Bekos "im Osten und Nordosten des Landes durchaus noch den Einfluss der Ostmafia und stärkere Formen der Korruption.

Solange die Bezahlung bescheiden ist, ist auch klar, dass solche Phänomene stärker ausgeprägt sind." Die vorgegebenen EU-Standards wie auch das Bestreben, in wenigen Jahren Schengen-Niveau bei der Grenzsicherung zu erreichen, werden aber nach Ansicht des Handelsdelegierten sehr rasch positive Veränderungen bringen: "Da bin ich höchst optimistisch."

Marktwirtschaft noch nicht in gewohnten Bahnen

Dass es mit der Stabilität bei Standortverhandlungen noch immer nicht hundertprozentig klappt, hat die Auseinandersetzung mit den Grundeigentümern im nordslowakischen Zilina gezeigt: Dort wurde dem koreanischen Hyundai-Konzern ein riesiges Areal nebst zahlreichen staatlichen Förderungen angedient, um ab 2006 mit 2.400 Beschäftigten rund 200.000 Fahrzeuge pro Jahre produzieren zu können.

Nun müssen Regierung und Regionalverwaltung bei Enteignungsverfahren nicht nur gegen protestierende Grundbesitzer, sondern auch zum Teil sympathisierende Naturschützer kämpfen. Für Slowakei-Insider wie Bekos ein Indiz dafür, dass noch nicht immer alle Mechanismen der Marktwirtschaft reibungslos in für Westeuropa gewohnten Bahnen laufen. (APA)

Share if you care.