Neuer Wiener Ballettchef: "Damit kann ich kochen!"

27. September 2004, 18:50
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Harangozo ist zufrieden mit dem Budget, das für Pro­grammierung der fusio­nierten Opernballets zur Verfügung steht - Genaue Strukturen noch nicht geklärt

Wien - Die Ballettensembles der Wiener Staatsoper und der Volksoper Wien sowie die Staatsopern-Ballettschule werden ab der Saison 2005/06 zusammengeführt. Der künftige gemeinsame künstlerische Leiter, der derzeitige Direktor des ungarischen Nationalballetts Gyula Harangozo, wurde Montag Vormittag von den Operndirektoren Ioan Holender und Rudolf Berger sowie von Holding-Chef Georg Springer vorgestellt. In künstlerischen und finanziellen Fragen soll die neue Kompagnie autonom sein. Wie die neue Struktur im Detail beschaffen sein wird, ist weiterhin unklar. Heinz-Dieter Sense, der nicht bei der Pressekonferenz anwesend war (Holender: "Wir wollten eigentlich den Ballettdirektor vorstellen"), soll bis Jahresende dazu einen Vorschlag ausarbeiten. Harangozo übernimmt am 1. September 2005 sein Amt und erhält einen Drei-Jahres-Vertrag.

Genaue Budgetzahlen stehen noch nicht

Das erklärte Ziel der Zusammenführung der beiden Truppen zum "Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper" ist es, die künstlerische Qualität zu steigern, mehr Auftrittsmöglichkeiten zu schaffen und durch Rationalisierungsmaßnahmen im Personal- und Sachaufwandsbereich Kosten zu sparen. Das Budget soll laut Springer aus einem "Durchschnitt der letzten vier, fünf Jahre" errechnet werden. "Ungefähr weiß ich, was ich habe. Genaue Zahlen müssen wir erst errechnen", meinte Harangozo, "aber die Zahl, die ich bekommen habe, hat mich beruhigt. Damit kann ich kochen!" Das Angebot an abendfüllenden Ballettabenden soll auf rund 90 jährliche Vorstellungen in beiden Häusern erhöht werden, darunter sollen drei bis vier Neuproduktionen sein.

Genaue Strukturen noch nicht geklärt

Auf Fragen, wer künftig der Dienstgeber der Ballettmitglieder sein wird oder ob die Operndirektoren und der Ballettdirektor gleichberechtigte Verhandlungspartner etwa bei der Erstellung des Spielplanes (wo über die Anzahl der Werke mit Ballett-Einlagen ja auch die Disposition des Balletts betroffen ist) sein werden, gibt es derzeit noch keine Antworten. Dies seien "sehr sensible Fragen", die man in Zusammenarbeit mit Harangozo klären möchte. Der Ungar erzählte, man habe ihn vor rund vier Wochen mit Sense, der auch mit der Zusammenlegung der Berliner Ballettensembles betraut war, zusammengebracht, "und ich habe das akzeptiert". Laut Springer wurde Senses Werkvertrag für die Strukturüberlegungen von Staats- und Volksoper abgeschlossen. "Es ist durchaus möglich, dass er bleibt, das muss dann Harangozo entscheiden", sagte Holender.

Holender: Harangozo habe "alles, was Ballett ist, schon mit der Muttermilch eingesogen"

Klar ist, dass auch in einer künftigen Struktur eine enge Zusammenarbeit etwa in Dispositionsfragen notwendig sein wird. "Es war nahe liegend, früher oder später auf Herrn Harangozo zu stoßen, weil er in Wien mit ähnlichen Aufgaben konfrontiert sein wird wie in Budapest", sagte Bundestheater-Chef Springer. Das ungarische Nationalballett, das Harangozo seit zehn Jahren leitet, bespiele mit der Budapester Staatsoper und dem Erkeltheater ebenfalls zwei Häuser und sei sowohl für Ballettprogramme als auch für Operneinlagen verantwortlich. "Harangozo war irgendwie schon immer hier", meinte Staatsoperndirektor Holender schmunzelnd, und spielte auf dessen Engagement als Erster Solotänzer des Wiener Staatsopernballetts (1981-91) an, "Ungarn ist ein kleines Land, aber sie sind überall." Harangozo, dessen Eltern eine Solotänzerin des Balletts der Ungarischen Staatsoper und der Gründer des Ungarischen Nationalballetts sind, habe "alles, was Ballett ist, schon mit der Muttermilch eingesogen." Mit der neuen Ballett-Autonomie "sind wir (er und Volksopern-Chef Rudolf Berger, Anm.) zwar nicht gerade Hausmeister in unseren Häusern, aber viel mehr als Hausmeister sind wir auch nicht", so Holender. (APA)

Nachlese

Gemeinsame Chefs für Wiener Opernballetts
Gyula Harangozó und Heinz-Dieter Sense
  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Genaue Zahlen müssen wir erst errechnen", meinte Harangozo zum Budget, "aber die Zahl, die ich bekommen habe, hat mich beruhigt.

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