Kaprunprozess: Acht Freisprüche bestätigt

28. September 2004, 13:07
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Acht Beschuldigte müssen in zweite Instanz

Salzburg – Für zumindest acht der ursprünglich 16 Angeklagten aus dem Kaprunprozess ist der strafrechtliche Teil der Tragödie vom 11. November 2000 erledigt: Ihre Freisprüche vom Februar dieses Jahres sind rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hat nur gegen acht der von den Angehörigen der 155 Opfer und einzelnen Medien heftig kritisierten Freisprüche berufen.

Einzelrichter Manfred Seiss hatte die Freisprüche damals mit den Sachverständigengutachten, nach denen keinem der Beschuldigten individuelle Schuld an der Katastrophe nachzuweisen sei, begründet. Die Vorschriften seien eingehalten worden, der Betrieb der Seilbahn habe dem Stand der Technik entsprochen.

Acht Personen in zweite Instanz

Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Wegleiter, im Standard-Gespräch ausführte, müssen folgende Personen in die zweite Instanz: der technische Direktor der Gletscherbahnen Kaprun, der Betriebsleiter der Bahn, die beiden Mitarbeiter der Firma Swoboda, die für den Wagenaufbau verantwortlich zeichneten, zwei Mitarbeiter des Technischen Überprüfungsvereins (TÜV) sowie ein seilbahntechnischer und ein eisenbahnrechtlicher Sachverständiger des Verkehrsministeriums. Sie müssen sich neuerlich wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst (bis zu fünf Jahre Haft) verantworten.

Über die inhaltliche Begründung der Berufungen hüllte sich die Salzburger Staatsanwaltschaft am Montag noch in Schweigen. Die Betroffenen selbst beziehungsweise die Anwälte der Angeklagten erfuhren erst durch Medienvertreter von der 124 Seiten starken Berufungsschrift. "Wir wissen noch überhaupt nichts", meinte der Sprecher der Gletscherbahnen Harald Schiffl auf Anfrage des Standard.

Verlängerte Frist

Der zuständige Richter wird die Berufungsschrift nun an die Anwälte jener Beschuldigten weiterleiten, die mit einem Verfahren in zweiter Instanz zu rechnen haben. Laut Strafprozessordnung haben die Rechtsvertreter zwei Wochen Zeit, Stellung zu nehmen. Am Landesgericht rechnet man aber, dass den Verteidigern dieselbe erweiterte Frist von drei Monate eingeräumt wird, die auch schon der Staatsanwaltschaft für die Berufung zur Verfügung stand. Mehrere Anwälte haben schon angekündigt, angesichts der Dimension des Falles einen Verlängerungsantrag zu stellen.

Nach Eintreffen der Stellungnahmen wird das Landesgericht Salzburg den gesamten Akt an das Oberlandesgericht Linz weiterleiten, das dann für die Sache zuständig ist. Die Berufungsverhandlung dürfte aber angesichts der Menge an Akten und Beweismaterialien auch in Salzburg über die Bühne gehen.(Thomas Neuhold, Der Standard, Printausgabe, 28.09.2004)

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