Abnehmende Skepsis bei US-Aktien

22. Februar 2005, 20:13
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US-Aktienfondsmanager bleiben skeptisch - In den letzten 12 Monaten hat sich diese Zurückhaltung aber ausgezahlt

Wie bereits beim USA-Aktienfondsvergleich vor einem Jahr, herrscht unter den besten US-Aktienfondsmanagern weiterhin Skepsis vor, was die zukünftige Aktienmarktentwicklung betrifft. In den letzten 12 Monaten hat sich die Zurückhaltung jedenfalls ausgezahlt: Der amerikanische S&P 500 Index erzielte in einer sehr volatilen Seitwärtsbewegung gerade einmal zwei Prozent Kursplus. Im vorliegenden Fondsvergleich wurden die Fonds nach der risikoadjustierten Rendite (Sharpe Ratio) der letzten fünf Jahre bewertet. Dieser Zeitraum war in den USA von Aktienkursverlusten gekennzeichnet und Value Fonds hatten die Nase demzufolge klar vorn. Die Aussichten der einzelnen Top-Manager im Überblick:

"US-Aktien weder teuer noch billig"

Gregg Powers, Fondsmanager des Nordea 1 - North American Value Fund bleibt wie bereits im Vorjahr vorsichtig: „Nach den Kursanstiegen im Kalenderjahr 2003 ist der breite Markt immer noch damit beschäftigt diese Gewinne zu verkraften. Aus unserer Sicht sind US-Aktien derzeit weder besonders teuer noch besonders billig.“ Da er auf der Konjunkturseite aber überzeugende Anzeichen für Wachstum sieht, ist er zumindest nicht pessimistisch: „Interessant ist, dass die Kursschwäche der letzten Wochen uns einige interessante Investmentchancen eröffnet hat. Denn einige Titel sind so unterbewertet wie seit 18 Monaten nicht mehr. Solche Zeiten mögen wir“, so der Fondsmanager des sowohl anhand der absoluten als auch risikoadjustierten besten Performance der letzten fünf Jahre.

Martorelli: "Techs nicht aus den Augen verlieren"

Viel optimistischer blickt Bob Martorelli, Fondsmanager des zweitgereihten Merrill Lynch IIF US Focused Value, in die Zukunft. Martorelli der seinen Fonds nicht als expliziten Value-Fonds - sondern als ein Best-Ideas-Produkt mit einem konzentrierten Portfolio aus 35-50 unterbewerteten US-Aktien – sieht: „Die Chancen auf positive Gewinn- Überraschungen sind höher als auf negative. Und mit den baldigen US-Wahlen sollte auch eine weitere Unsicherheit für den Markt bald vorüber sein und den Blick auf positive Unternehmensdaten freimachen“, prognostiziert Martorelli. Dass US-amerikanische Unternehmen derzeit geradezu in Bargeld schwimmen, sieht er als positives Zeichen für kommende Dividendenerhöhungen und/oder Aktienrückkäufe, welche zu Kurssteigerungen in den nächsten 12 Monaten führen sollten. Martorelli bleibt deswegen bei seiner Übergewichtung konjunkturempfindlicher Branchen wie Industrie, Grundstoffe oder Technologie. „Techs werden vom breiten Markt derzeit gemieden, weshalb die Bewertungen bei einigen Firmen schon extrem niedrig sind“, rechtfertigt er etwa Positionen wie HP in seinem Portfolio. „Obwohl wir hier vielleicht sogar etwas früh dran sind, darf man Techs niemals aus den Augen verlieren“. Weiters gefallen Martorelli Finanzwerte wie Citigroup, denn diese sollten von einem baldigen Anstieg der Volatilitäten an den Finanzmärkten – welche sich momentan auf einem 8-Jahres-Tief befinden– profitieren.

"Markt momentan fair bewertet"

Edwin Walczak, Manager des Vontobel US Value Equity, sieht den Markt - wie bereits im Vorjahr – dagegen nahezu fair bewertet an: „Derzeit finde ich kaum große Fehlbewertungen im Aktienmarkt“, so der Experte. Vermehrt Chancen findet er aktuell bei Finanzwerten, diese machen fast die Hälfte des Fonds aus. Die steigenden Zinsen stören ihn dabei kaum: "Finanzwerte sind schwer zu analysieren und dadurch ergeben sich oftmals Fehlbewertungen. Denn Investoren nutzen Finanzwerte zumeist, um Ihre Einschätzung und Meinung zum Zinszyklus umzusetzen. Dadurch verstärken sie zum Teil diese Fehlbewertungen, welche dann große Chancen für uns darstellen", erklärt er seine Strategie.

Auch David Winters, Fondsmanager des Franklin Mutual Beacon Fund ist für den Gesamtmarkt nur wenig optimistisch: „Inzwischen sind die Bewertungen bei einer Reihe von Aktien, vor allem in den USA, angemessen. Wir rechnen damit, bei einigen Positionen, die unsere Zielkurse erreicht haben, Gewinne zu realisieren und dadurch unsere Barposition zu erhöhen.“ Aktuell hält Winters bereist über 27 Prozent Cash und Substanz findet er derzeit eher bei ausländischen als bei US-Unternehmen.

Morgenbesser erwarte 5-15 Prozent an Rendite

Andreas Morgenbesser, Fondsmanager des Volksbank Amerika Invest glaubt dagegen an eine Fortsetzung des US-Konjunkturaufschwunges: „Ich setze immer noch stark auf zyklische Werte bzw. Aktien aus dem IT Bereich. Meine größte Position etwa ist die Softwarefirma Symantec“, schildert der Experte. Die momentane Skepsis an den Märkten sei gesund: „Wenn alle glauben dass es wenig wird, wird es meistens mehr“, prognostiziert Morgenbesser. Denn Wahljahre seien gute Jahre, besonders wenn der Amtsinhaber gewinnt. Dass sich die US-Leitzinsen gerade im Steigen befinden sei zwar ein gegenläufiger Trend, trotzdem erwartet Morgenbesser für die nächsten ein bis zwei Jahre „normale Aktienrenditen“ zwischen fünf und fünfzehn Prozent pro Jahr. Die Bewertungen der S&P 500 Firmen waren zwar auch schon einmal günstiger, vergleicht man diese aber mit den geringen Anleihen-Renditen erscheinen diese durchaus attraktiv.

Alle Daten per 22.9.2004 / Datenquelle: Lipper

LINK: Den gesamten Artikel mit Fonds-Tabelle finden Sie hier.

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