Pressestimmen: "Schröder kann aufatmen"

28. September 2004, 18:36
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Inernationale Medien zu den Wahlen in Nordrhein-Westfalen - "Financial Times": Mögliche Stimmungs-Wende in Deutschland

London/Rom/Brüssel - Zu den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen schreibt am Montag die britische Financial Times:

"Die SPD von Bundeskanzler Gerhard Schröder scheint ihren Niedergang aufgehalten zu haben. Wenn man die gestrigen Ergebnisse zusammen mit denen in den beiden ostdeutschen Ländern (Sachsen und Brandenburg) betrachtet, deuten sie darauf hin, dass die Popularität von Angela Merkels CDU ihren Höhepunkt überschritten hat. Die seit langem erwartete Trendwende - so sie es denn ist - könnte es Merkel erschweren, ihre Kanzlerkandidatur für 2006 sicherzustellen."

Corriere della Sera

"Das war der Epilog eines Marathons in diesem Jahr, bei dem es 14 Wahlen gab, die alle gleich negativ, wenn nicht katastrophal für die Sozialdemokraten des Kanzlers ausgingen, der dabei für die Politik der Reformen und des Abbaus am Sozialstaat bezahlen musste. Aber jetzt kann Gerhard Schröder durchatmen und mit mehr Ruhe und Vertrauen den Herausforderungen im nächsten Jahr entgegenblicken. (...)

Es gibt eine Veränderung im politischen Klima und im Trend, der bereits negative Folgen für Frau Merkel zeigt. Deren Führung in der Partei war niemals unumstritten. Jetzt, angesichts des Rückgangs der Popularität, steht sie dem Chor ihrer Kritiker gegenüber, die sich durch die Misserfolge an den Urnen ermutigt fühlen."

The Guardian

"Der sozialdemokratische deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder hat in der traditionellen Hochburg seiner Partei eine demütigende Wahlniederlage erlitten. Der einzige Lichtblick für Schröder ist, dass die Wahlsieger, die oppositionellen Christdemokraten, auch an Unterstützung verloren haben. Schröder leckt seine Wunden nach einer Serie von Niederlagen, die bisher die scheinbar sichere Prognose begründete, dass er in zwei Jahren abgewählt werden wird.

Doch Experten und Meinungsforscher sind gerade dabei, ihre Analysen zu überdenken. Sie weisen darauf hin, dass Schröders Koalition den Abstand zu CDU und Liberalen zu verkleinern scheint. Der wesentliche Grund für ihre Unbeliebtheit waren bisher Schröders Einschnitte bei der Arbeitslosenunterstützung (...) Doch jetzt, da es den Wählern langsam zu dämmern beginnt, dass die konservative Opposition noch härtere "Reformen" - oder Einschnitte - vornehmen könnte, verschiebt sich die öffentliche Meinung langsam wieder zu Gunsten Schröders."

La Repubblica

"Gerhard Schröder, der Stratege, der in langen Zeiträumen kalkuliert, setzt auf zwei Faktoren, um sich doch noch ein drittes Mandat zu erkämpfen. Erstens, auf einen wirtschaftlichen Aufschwung. Zweitens, auf die Krise an der Spitze der Christdemokraten. Angela Merkel ist nicht mehr die unangefochtene Führerin.

Jetzt treten ihre Rivalen im Kampf um die Kanzlerkandidatur 2006 auf den Plan. Das sind aus Bayern Edmund Stoiber, aus Hessen Roland Koch und aus Niedersachsen Christian Wulff. Das Spiel ist offen in einem unstabil gewordenen Berlin, und es bleibt weiterhin der Albtraum der Ultrarechten bestehen." (APA/dpa)

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