Erste Niederlage für Blair am Labour-Parteitag

27. September 2004, 15:06
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Gegen den Willen des Premiers soll über ein Rückzugsdatum im Irak abgestimmt werden

London/Brighton - Noch vor dem offiziellen Beginn es Labour-Parteitags an diesem Montag hat Premierminister Tony Blair nach Meinung seiner parteiinternen Kritiker eine erste Niederlage erlitten: Eine ausreichende Zahl von Delegierten stimmte am Sonntagabend dafür, über Forderungen nach einem Rückzugsdatum für die britischen Truppen im Irak abzustimmen. Blair hat immer gesagt, ein solches Datum könne man nicht festlegen, weil niemand wisse, wie sich die Dinge im Irak weiter entwickelten. Zurzeit wäre ein Rückzug eine "Kapitulation vor den Terroristen".

Themen

Es wurde nicht damit gerechnet, dass die Mehrheit der Delegierten im südenglischen Seebad Brighton am Donnerstag für ein solches Rückzugsdatum stimmen wird. Dennoch hieß es in den britischen Medien, die Abstimmung und die vorhergehende Debatte könnten für Blair "peinlich" werden. Die Regierung hatte zuvor erklärt, der Parteitag werde ganz im Zeichen der Innenpolitik stehen. Doch das wichtigste Thema in den Medien blieb der Irak, vor allem auch wegen des ungeklärten Schicksals des in Bagdad verschleppten Briten Ken Bigley.

Vertrauen

Am ersten Tag des vermutlich letzten Parteitags vor den nächsten Unterhauswahlen stand am Montag eine Rede von Finanzminister Gordon Brown auf dem Programm. Er gilt als parteiinterner Rivale von Blair und ist nach Presseberichten verärgert darüber, dass der Premierminister die Organisation des Wahlkampfs seinem Vertrauten Alan Milburn übertragen hat. Nach einer am Montag in der Zeitung "The Times" veröffentlichten Umfrage haben die Briten das Vertrauen in Blair weitgehend verloren, halten ihn aber immer noch für besser als den konservativen Oppositionsführer Michael Howard. (APA/dpa)

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    Delegierte lauschen den Eröffnungsreden in Brighton.

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