"An Tech führt kein Weg vorbei"

4. Oktober 2004, 12:48
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Die Performance von Tech-Aktien ist heuer insgesamt bedrückend. Fondsmanager Hans Leitner erklärt im Gespräch mit Karin Bauer, was er kauft und was nicht - etwa Google und eBay

Standard: Abgesehen von den Titeln an asiatischen Börsen liegt der Tech-Sektor heuer im Minus, mit ihm die Fonds. Von ihren Höchstständen im Jahr 2000 sind sie meilenweit entfernt - kein besonders attraktives Umfeld, um Anleger zu motivieren . . .
Leitner: Im Vorjahr haben solche Fonds aber etwa 15 Prozent Plus gemacht, Internet-fonds lagen bei 30 Prozent Plus und mehr. Tatsache ist außerdem, dass ohne Technologie gar nichts geht, es funktioniert kein Betrieb, kein Lager, keine Überweisung. Da führt kein Weg vorbei. Die Performance der einzelnen Aktien und Fonds ist auch weniger homogen, als die Statistik das darstellt.

STANDARD: Woran liegt die schleppende Performance heuer?
Leitner: Die Techs leiden gemeinsam mit den anderen Aktien unter dem Ölpreis, unter der Verunsicherung und an den zurückgehaltenen Investitionen der Unternehmen. Aber: Egal, ob Bush oder Kerry die Wahl gewinnt, in Technologie, auch in Militärtechnologie, wird Geld fließen.

STANDARD: Der Bereich ist aber doch von hohen Schwankungen, also hohem Risiko, gekennzeichnet?
Leitner: Das hängt immer vom Anlagemix, von der Titelauswahl ab. Bei den Internettiteln ja, da ist das Risiko vergleichsweise hoch, bei den klassischeren Tech-Aktien trifft das in wesentlich geringerem Ausmaß zu.

STANDARD: Apropos "klassische Tech-Aktien": Da gibt es ja auch Kursraketen - eBay ist in den vergangenen zwei Jahren um 370 Prozent gestiegen. Kaufen Sie solche Aktien?
Leitner: Nein, weil ich diese Wertsteigerungen nicht nachvollziehen kann.

STANDARD: Zum Wert von Google ist die Finanzgemeinde auch geteilter Meinung . . .
Leitner: Ich halte den Börsenwert von 28 Milliarden Dollar für absurd. Amazon ist an der Börse halb so viel wert.

STANDARD: Sie kaufen Google nicht?
Leitner: Nein, weil sie zu teuer ist, weil ich mit den Aktien keine Stimmrechte besitze, und weil mir keine Dividende in Aussicht gestellt ist. Außerdem glaube ich, dass Google bald fehlerfreiere Konkurrenz aus anderen Häusern, etwa Microsoft, bekommt.

STANDARD: Was sind für Sie die interessantesten Themen?
Leitner: Virenschutz und Sicherheit bei Computern und im Internet. Da seh' ich sehr viel Potenzial, da sind die Anwender noch vier Schritte hinter Crackern und Hackern. McAfee wäre ein solch interessanter Titel. Und natürlich die Computer- und Chipindustrie mit ihren Forschungen in der Nanotechnologie. Da sind alle Großen dabei. Die Frage ist nur, wann diese Produkte zur Serienreife gedeihen, das kann schnell gehen oder noch zehn Jahre dauern. Aber das ist der nächste große Schritt. (Der Standard, Printausgabe, 27.09.2004)

Zur Person: Hans Leitner managt für die Erste Sparinvest den Tech-, Biotech- und Internetfonds mit einem Volumen von 65 Mio. Euro. In der Espa werden rund 21 Mrd. Euro Anlagegeld verwaltet.
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    foto: photodisc
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