Irakischer Präsident kritisiert Übergangsregierung

27. September 2004, 20:01
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Yawar: "Ergebnisse erfüllen nicht unsere Erwartungen" - Irakischer General festgenommen

Bagdad - Der irakische Präsident Ghazi al Yawar hat erstmals die Ende Juni gleichzeitig mit ihm ernannte Übergangsregierung von Ministerpräsident Iyad Allawi kritisiert. "Die Ergebnisse der Arbeit der irakischen Regierung erfüllen nicht unsere Erwartungen", sagte Yawar der Bagdader Tageszeitung "Al Sabah Al Yadid" (Sonntagsausgabe).

Schuld an der schlechten Sicherheitslage im Land tragen seiner Ansicht nach aber auch "äußere Mächte". Auch sei die Entscheidung (der US-Regierung), die irakische Armee aufzulösen, falsch gewesen. Derzeit arbeite man daran, unter Beteiligung ehemaliger Offiziere sechs neue Divisionen aufzubauen.

Zehn Tote bei Anschlag auf Tanklaster in Latifiya

Bei einem Anschlag auf einen Konvoi aus Tanklastern sind im Irak zehn Menschen getötet worden. Die Fahrzeugkolonne sei am Samstag in der Stadt Latifiya südlich von Bagdad angegriffen worden, teilten Krankenhäuser am Sonntag mit. 26 weitere Menschen seien verletzt worden. In das Hospital von Hilla wurden nach Angaben seines Leiters vier Tote und 23 Verletzte eingeliefert. In das Krankenhaus von Iskandariya 50 Kilometer südlich von Bagdad wurden sechs Leichen und drei Verletzte gebracht, wie der Chef der Einrichtung mitteilte.

Nach Angaben eines irakischen Polizeioffiziers steckten die Angreifer die fünf Tankwagen in Brand, drei der Fahrzeuge wurden zerstört. Irakische Nationalgardisten, die den Konvoi bewachten, hätten sich eine regelrechte Schlacht mit den Aufständischen geliefert, sagten Sicherheitskräfte. Auf beiden Seiten habe es Tote und Verletzte gegeben, ebenso unter den Fahrern.

Wahlen nur in Teilen des Landes?

Die irakische Regierung hat erstmals eingeräumt, dass im Jänner möglicherweise nicht in allen Teilen des Landes gewählt werden kann. Trotz des Widerstands der Rebellen werde die Übergangsverwaltung aber an den ersten demokratischen Wahlen in der Geschichte des Landes festhalten, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Barham Saleh am Sonntag in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Wenn die Sicherheitslage an einzelnen Orten keine freie Wahl zulasse, werde man vor der Frage stehen, ob man deswegen das ganze Verfahren verschieben oder aufhalten müsse, sagte Saleh, der im Kabinett für die nationale Sicherheit verantwortlich ist. Jede Region mit Unruhen setze sich der Gefahr aus, sich zu isolieren und ihr Mitspracherecht zu verlieren. Ministerpräsident Allawi hatte zuvor darauf bestanden, dass im ganzen Land gewählt werden müsse. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erklärte hingegen, dass eine Wahl nur in Teilen des Landes besser als gar keine Wahl sei.

Offizier der Nationalgarde festgenommen

Im Irak ist unterdessen ein hochrangiger Offizier der Nationalgarde wegen mutmaßlicher Verbindungen zu Aufständischen festgenommen worden. General Taleb Abdelgaith al Lahibi sei am Donnerstag unter dem Verdacht der Zusammenarbeit mit "bekannten Rebellen" in Gewahrsam genommen worden, teilte die US-Armee am Sonntag mit.

Lahibi habe drei Bataillone der Nationalgarde befehligt, die in der Provinz Diyala für die Sicherheit sorgen sollten. In der Region liegt auch die Stadt Bakuba, in der die multinationalen Truppen im Irak häufig von Aufständischen angegriffen werden. (APA)

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