Portugal: Jose Socrates neuer Parteichef der Sozialisten

27. September 2004, 15:06
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Mit nahezu 80 Prozent gewählt

Lissabon - Neuer Parteichef der portugiesischen Sozialisten (PS) ist der ehemalige Umweltminister Jose Socrates. Bei der Wahl von rund 35.000 Parteimitgliedern erhielt Socrates nahezu 80 Prozent der Stimmen, wie der Wahlausschuss am Samstagabend mitteilte. Die endgültige Entscheidung trifft ein Parteitag am kommenden Wochenende. Socrates löst Eduardo Ferro Rodrigues ab, der im Juli seinen Rücktritt erklärte.

Dieser protestierte damit gegen die Entscheidung von Staatspräsident Jorge Sampaio, der es der Regierung der konservativen Sozialdemokraten (PSD) zugestand, selbst einen Nachfolger für den an die Spitze der EU-Kommission wechselnden Regierungschef Jose Manuel Durao Barroso zu bestimmen. Die Sozialistische Partei (PS) hatte stattdessen Neuwahlen gefordert.

Bei der Europawahl im Juni konnten die Sozialisten, die bis 2002 die Regierung stellten, die meisten Stimmen gewinnen. Sie profitierten damals von der verbreiteten Ablehnung der Irak-Politik der Regierung.

Socrates hatte neben der Unterstützung des früheren Regierungschefs Antonio Guterres (1995 - 2002) auch die meisten die Landes- sowie die meisten Regionalorganisationen hinter sich. Dennoch feierte er nicht einen überragend klaren Erfolg wie seine Vorgänger, die meist mit einer Unterstützung von mehr als 90 Prozent gewählt wurden.

Basis gegen Socrates

Sein wichtigster Kontrahent Manuel Alegre hatte nämlich versucht, die Parteibasis zu mobilisieren. Während sich Socrates für eine "moderne Linke" einsetzt, gilt Manuel Alegre als Kämpfer gegen das parteiinterne Establishment und die Macht der Lokalpatrone der PS. Der 68-jährige Alegre war ein strikter Gegner der Salazar-Diktatur (1926-1974) und in Portugal lange Zeit als Exildichter bekannt. (APA/AP)

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