Magazin: Eurofighter praktisch flugunfähig

28. September 2004, 17:27
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Deutsches Verteidigungsministerium dementiert: Flugzeug in "Truppenerprobung" - Kogler: "Milliardengrab"

Berlin - Der Eurofighter, das neue Kampfflugzeug der deutschen Bundeswehr, hat nach einem Medienbericht mit erheblichen Kinderkrankheiten zu kämpfen.

Die Maschine sei praktisch flugunfähig, berichtete der "Spiegel" am Samstag vorab aus seiner neuesten Ausgabe. Sechs Ende April an das Luftwaffengeschwader in Laage bei Rostock ausgelieferte zweisitzige Trainingsmaschinen seien zusammen nur knapp 130 Stunden in der Luft gewesen. Rechnerisch sei jedes Flugzeug pro Woche bestenfalls eine Stunde geflogen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums nannte den Bericht "leicht irreführend". Das Flugzeug sei derzeit in der Truppenerprobung. Dabei stünden Sicherheit und Sorgfalt im Vordergrund. "Die Luftwaffenführung hat großes Vertrauen in das System", sagte der Sprecher.

Lichterbaum

Dem "Spiegel" zufolge müssen manche Teile des Eurofighters früher ausgetauscht werden als erwartet. Auch das automatische Prüfsystem, das beim Anlassen sämtliche Geräte kontrolliert, scheine ebenfalls Probleme zu haben. Bisweilen leuchte vor den Piloten ein Lichterbaum von Warnlämpchen auf. Die bereits mehrfach verzögerte und zuletzt für den Spätherbst angekündigte Pilotenausbildung sei auf das Frühjahr 2005 verschoben worden.

Deutschland will insgesamt 180 Eurofighter mit einem Auftragsvolumen von etwa 18 Milliarden Euro abnehmen. Am Bau des europäischen Kampfflugzeugs sind federführend der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, die britische Bae Systems und die italienische Alenia beteiligt.

Das österreichische Bundesheer plant den Kauf von 18 Eurofightern, die ab 2007 in Dienst gestellt werden sollen.

Kogler: "Milliardengrab"

Der Grün-Abgeordnete Werner Kogler fordert die Regierung auf, die Ausstiegsklauseln bei der Abfangjäger-Nachbeschaffung zu nutzen, "um die Republik vor dem Milliardengrab Eurofighter zu bewahren". Anlass für das Verlangen ist ein "Spiegel"-Bericht, wonach die Eurofighter praktisch flugunfähig seien.

Kogler betont nun in einer Aussendung, dass sich die Pilotenausbildung weiter verzögere. Der enorme Ersatzteilverbrauch lasse die Betriebskosten weiter explodieren: "Alles weitere Beweise, dass es bei der Vergabeentscheidung des Verteidigungsministerium nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann".

Kräuter fordert Konsequenzen Platters Der "Spiegel"-Bericht, wonach der Eurofighter praktisch flugunfähig sei, bringt die erwartete Kritik des SPÖ-Rechnungshofsprechers Günther Kräuter mit sich. Es werde nun immer deutlicher, dass die österreichische Bundesregierung "ein technisch überzüchtetes und völlig untaugliches Glumpert zu einem horrenden Preis gekauft hat" - und weiter: "Man möchte fast geneigt sein, die Diktion (Jörg) Haiders aufzugreifen und (Bundeskanzler Wolfgang) Schüssel, (Finanzminister Karl-Heinz) Grasser, (Wirtschaftsminister Martin) Bartenstein und (Verteidigungsminister Günther) Platter als Hornochsen bezeichnen."

Für Kräuter hat nun vorerst der Verteidigungsminister Konsequenzen zu ziehen: "Für mich ist Platter ein baldiger Ex-Minister". Ein Verteidigungsminister, der die Beschaffung von teuersten aber fluguntauglichen Kampfflugzeugen monatelang als "sauber, korrekt und rechtlich einwandfrei" bezeichnet habe, sei untragbar - "selbst in einem Land der verfallenen politischen Sitten wie Österreich", so der SP-Abgeordnete in einer Aussendung.

ÖVP weist SP-Kritik zurück

Als "absolut lächerlich und äußerst bedenklich" bezeichnet ÖVP-Wehrsprecher Walter Murauer die jüngsten Aussagen von SP-Rechnungshofsprecher Günther Kräuter in Sachen Eurofighter. Auch diesmal habe sich gezeigt, dass die SPÖ lieber den Weg des unverantwortlichen und niveaulosen Populismus geht, obwohl der gerade beim Thema Sicherheit mehr als unangebracht sei. Murauer wies darauf hin, dass das deutsche Verteidigungsministerium die von Kräuter angesprochene "Spiegel"-Meldung, wonach die in Laage stationierten Eurofighter praktisch fluguntauglich seien, bereits als irreführend zurückgewiesen habe. (APA/Reuters/Red)

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