Israelische Armee zerstört 35 Häuser im Gazastreifen

27. September 2004, 07:21
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Ein Palästinenser getötet - Reaktion auf Granatangriff vom Freitag

Gaza - Als Reaktion auf den Granatbeschuss einer jüdischen Siedlung im Gazastreifen hat die israelische Armee am Samstag 35 Häuser im Flüchtlingslager Khan Yunis zerstört. Die Offensive am frühen Morgen wurde von einem Luftangriff eingeleitet, bei dem ein 55-jähriger Palästinenser getötet wurde. Fünf weitere Menschen erlitten Verletzungen, teilten Augenzeugen mit.

Khan Yunis liegt in der Nähe der Siedlung Neve Dekalim, die am Freitag von militanten Palästinensern mit Mörsergranaten beschossen worden war. Es war das erste Mal, das es bei einem derartigen Angriff in Gaza ein Todesopfer gab: Die Extremisten töteten eine 24 Jahre alte Siedlerin mit israelischer und amerikanischer Staatsbürgerschaft.

Raketen abgefeuert

Die israelischen Streitkräfte schossen um kurz nach Mitternacht von einem Hubschrauber aus zwei Raketen auf eine Gruppe Palästinenser in Khan Yunis. Militärangaben zufolge wollten die Männer gerade eine Granate abfeuern. Dagegen verlautete von palästinensischer Seite, die israelischen Raketen hätten Passanten getroffen.

Später rückten Soldaten mit 14 Panzern und drei Planierraupen in das Flüchtlingslager ein, wo sie von dutzenden Palästinensern beschossen wurden. Mitarbeiter der Verwaltung sagten zunächst, es seien 20 Häuser zerstört worden, die Neve Dekalim am nächsten lägen. Ein UN-Sprecher gab die Zahl der niedergerissenen Gebäude später mit 35 an.

Fathi Sarub berichtete am Telefon, er sei zum Zeitpunkt der Offensive mit seinen vier Kindern zu Hause gewesen. "Wir mussten im Schlafanzug davon rennen, während aus der Luft und von den Panzern geschossen wurde. Wir haben keinen anderen Unterschlupf, ich weiß nicht, wo ich mit meinen Kindern bleiben soll." Bilder der Fernsehnachrichtenagentur APTN zeigten etliche Palästinenser, die nach dem Rückzug der Panzer in den Trümmern ihrer Häuser umherliefen. Sie sammelten Kleidung, Küchenutensilien, Bücher oder Matratzen ein.

Seit Beginn der Zweiten Intifada vor vier Jahren wurden bei ähnlichen Aktionen tausende Palästinenser obdachlos gemacht. Die Gewalt beider Seiten hat vor dem geplanten israelischen Abzug zugenommen. Die radikalen palästinensischen Gruppen wollen einen Rückzug als israelische Niederlage unter Feuer darstellen, während die israelischen Streitkräfte die militanten Organisationen zu zerschlagen versuchen. (APA/AP/Reuters)

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