Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Flugzeug-Anschlägen

28. September 2004, 11:19
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Nachlässigkeit, Korruption, Bestechlichkeit - 1.000 Rubel Schmiergeld

Moskau - Die Staatsanwaltschaft in Moskau hat gegen drei Personen Anklage erhoben, die durch Nachlässigkeit und korruptes Verhalten die beiden tödlichen Anschläge auf russische Inlandsflüge Ende August ermöglicht haben sollen. Die Behörden hätten Ermittlungen gegen einen Polizisten, einen Ticket-Schwarzhändler und einen Angestellten einer Fluglinie eingeleitet, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax am Freitag. Alle drei Angeklagten waren zuvor schon verhaftet worden.

Die beiden Inlandsflüge waren am 24. August nahezu zeitgleich in die Luft gesprengt worden, dabei starben 90 Menschen, beide Maschinen starteten vom Moskauer Flughafen Domodedowo. Die Anklage gegen den Polizeioffizier Michail Artamonow lautet auf Fahrlässigkeit, wie Interfax unter Berufung auf die Ankläger meldete. Dem Mann wird vorgeworfen, die beiden mit Sprengstoff ausgerüsteten mutmaßlichen Selbstmordattentäterinnen entgegen der Vorschrift ohne Kontrolle an Bord gelassen zu haben. Zuvor hätten zwei Polizisten die beiden Frauen zu Artamonow gebracht, wahrscheinlich wegen derer tschetschenischer Abstammung. In Russland werden Kaukasier häufiger ohne konkreten Anlass kontrolliert.

Schmiergelder für Bordkarten

Nachdem die beiden Frauen laufen gelassen wurden, kauften sie sich offensichtlich Flugtickets bei einem illegalen Flugticket-Verkäufer. Früheren Aussagen des russischen Generalstaatsanwalts Wladimir Ustinow zufolge erhielt der Händler Geld von den beiden Frauen, einen Teil davon - etwa 1.000 Rubel (28 Euro) - reichte er an einen Angestellten der Fluggesellschaft weiter. Dank des Schmiergeldes sei es gelungen, die Frauen in letzter Minute doch noch an Bord zu bekommen.

Sowohl der Angestellte der Fluggesellschaft, Nikolai Korenkow, als auch der Ticket-Verkäufer, Armen Arutjunian, wurden wegen Komplizenschaft bei einem terroristischen Akt angeklagt. Bei dem Händler soll es sich laut einem früheren Bericht der Zeitung "Iswestija" um einen ehemaligen Angestellten der Fluglinie Sibir handeln, unter deren Flagge eines beiden Flugzeuge flog. (APA/AP)

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