Kampfräume

26. September 2004, 11:00
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In Science-Fiction-Verfilmungen wird oft Gespür für Architektur von heute bewiesen, die in einer Welt von morgen noch Bestand haben könnte

Milla Jovovich zieht wieder Zombies killend von Level zu Level. Im ersten Teil von "Resident Evil", der Verfilmung eines Computerballerspiels, schlug und schoss sie sich durch das unterirdische Labyrinth der "Umbrella-Corporation", wo Biowaffenversuche die braven Angestellten in eine blutrünstige Meute verwandelt haben.

Als Kulisse (es ist eine deutsche Koproduktion) diente die auch in Realität geisterhafte U-Bahn-Station vor dem Kanzleramt in Berlin. Auch die Fortsetzung zeigt ein gutes Gespür für Architektur von heute, die in einer Welt von morgen noch Bestand haben könnte. Im Zentrum diesmal: das Rathaus von Toronto, gebaut 1959 bis 1965 vom finnischen Architekten Viljo Revell, das ein wenig an die UNO-City in Wien erinnert, nur steht in Kanada ein Ufo-förmiger Sitzungssaal zwischen den gebogenen Hochhausscheiben. Hier hat die Schurkenfirma ihr Hauptquartier. Sind uns die zukunftsfreudigen Entwürfe der Sechzigerjahre so fremd geworden, dass sie nun als Orte des Grauens erscheinen? (oel/ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.9.2004)
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