Elf Krebsfälle bei Salzburger Polizei: Wachstube gesperrt

26. September 2004, 19:12
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Vier Polizisten sind an unterschiedlichen Krebsarten bereits verstorben - das jüngste Opfer war 27 Jahre alt

Wie vor Jahren das Mozarteum wurde nun in Salzburg auch ein Wachzimmer nach gehäuften Krebsfällen geschlossen. Vier Beamte sind bereits tot, sieben erkrankt.

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Salzburg/Wien - Auf Anordnung von Innenminister Ernst Strasser (VP) wurde Freitag das Wachzimmer im Salzburger Bahnhof gesperrt. Grund: eine überdurchschnittlich hohe Krebsrate bei Polizeibeamten, die in diesen Räumlichkeiten Dienst versehen haben. In den vergangenen zehn Jahren sind sieben Polizisten an unterschiedlichen Krebsarten erkrankt, weitere vier bereits verstorben. Das jüngste Opfer war 27 Jahre alt.

Keine Häufungen von Krebs bei ÖBB-Personal

Das Wachzimmer liegt seit vier Jahren am Bahnsteig 1, dort, wo sich rund hundert ÖBB-Beamte aufhalten und sich zahlreiche Büros befinden. In den Jahren zuvor war die Dienststelle neben dem Eingangsbereich der Schalterhalle am Südtirolerplatz angesiedelt. Bei den ÖBB seien keine Häufungen von Krebserkrankungen festgestellt worden, erklärte Firmensprecher Johannes Gfrerer.

Keine akute Gesundheitsgefährdung

Eine erste Untersuchung der Räume ist bereits erfolgt, noch liegt kein Gesamtergebnis vor. Doch wie Salzburgs Polizeidirektor Gottfried Mayr am Freitag bestätigte, hätten die Messungen eine Grenzwertüberschreitung bei Schwermetallen im Staub ergeben. Allerdings hätten Fachleute versichert, dass dies allein noch keine akute Gesundheitsgefährdung bedeute. Konkret gehe es um erhöhte Werte von Kadmium, Arsen und Chrom. Das bei der Landessanitätsdirektion in Auftrag gegebene Gutachten soll Mitte Oktober vorliegen. Bis dahin bleibt das Wachzimmer auf jeden Fall geschlossen, die Beamten übersiedeln vorerst ins Wachzimmer Gnigl. Der Streifen- und Überwachungsdienst im Bahnhof bleibt aber aufrecht.

Generalsanierung

Der Fall weist große Parallelen zur Salzburger Musikhochschule Mozarteum auf, dessen Hauptgebäude Mitte 1998 geschlossen wurde, nachdem unter Professoren und Studenten eine Häufung von Leukämieerkrankungen aufgetreten worden war. Die umfangreichen Analysen der Raumluft ergaben damals zwar erhöhte Werte von Umweltgiften (Bioziden), doch laut Gutachten waren die Konzentrationen zu gering, um eindeutig als Erreger der Krebsfälle nachgewiesen zu werden.

Dennoch wurde die Hochschule geschlossen und eine Generalsanierung beschlossen. Die 29 Millionen Euro teuren Umbauarbeiten sollen rechtzeitig zum Mozartjahr 2006 abgeschlossen sein. (APA, simo, DER STANDARD Printausgabe 25.9.2004)

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