Ein Wunder macht den Kaiser selig

von Redaktion  |  02. Oktober 2004, 16:26
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    Kaiser Karl I., "ehrwürdiger Diener Gottes".

Am 3. Oktober wird Kaiser Karl I. in Rom selig gesprochen - Kritiker sprechen von einem feierlichen Akt "am Rande des Lächerlichen"

St. Pöltens Bischof Kurt Krenn sieht sich als Präsident der "Kaiser Karl Gebetsliga für den Völkerfrieden" am Ziel: "Kaiser Karl wird selig gesprochen, weil er seine Entscheidungen immer mit Blick auf Gott getroffen hat und in aller Not an Gott nie irre wurde." Schon seit ihrer Gründung 1925 kämpft die "Gebetsliga", dieses Sammelbecken für Monarchisten und Traditionalisten, verbissen darum, dass dem Diener Gottes, Karl, bald die Ehre der Altäre zuteil werde.

Am 3. Oktober ist es nun soweit. An diesem ersten Sonntag des Monats wird Papst Johannes Paul II. den letzten österreichischen Kaiser, Karl I., auf dem Petersplatz vor rund 10.000 Pilgern selig sprechen. Vielleicht ohne Bischof Krenn, der wegen der Skandale in seiner Diözese und seiner möglichen Abberufung zu Hause bleiben könnte.

Für die Historikerin Maria Habacher sind es vordringlich "zeitgeschichtliche Aspekte" des Lebens des letzten Kaisers, die im Seligsprechungsverfahren aufgearbeitet worden seien. Karl I. habe 1916 - nach dem Tod seines Großonkels Kaiser Franz Joseph - "den Thron bestiegen und seinem Volk mit Gerechtigkeit und Liebe gedient", unterstrich der Präfekt der Heiligsprechungskongregation, Kurienkardinal Jose Saraiva Martins die soziale Facette in Karls Politik, die andererseits vor allem durch seine Rolle beim Giftgaseinsatz in der Isonzoschlacht schwer in Misskredit geriet.

Für den Politologen Anton Pelinka liegt der historische Fall klar: "Natürlich hat er die Kriegspolitik - einschließlich der neuen Vernichtungstechniken - mitgemacht. Er war kein besonderer Finsterling, aber auch keine positive Leitfigur." Kaisersohn Otto Habsburg antwortet auf Kritik, es sei "längst erwiesen, dass der Giftgaseinsatz vom deutschen Infanteriegeneral Otto von Below befehligt wurde."

Der lange Weg

Der lange Weg zur Seligsprechung Karls, der sich bis zuletzt geweigert hatte, abzudanken, begann schon ein Jahr nach seinem Tod. Der christlich-soziale Nationalratspräsident Wilhelm Miklas - später von 1928-1938 Bundespräsident der Ersten Republik - bat den Wiener Kardinalerzbischof Friedrich Gustav Piffl, mit der Einleitung eines Verfahrens zu beginnen. Es dauerte aber bis 1949 ehe das Procedere unter Kardinal Theodor Innitzer gestartet wurde. Es wurden Materialien gesammelt, Zeugen befragt. Der Aufwand war enorm: Allein die Aussagen der Gattin von Kaiser Karl, Zita, sollen sich auf rund 1000 Seiten belaufen. Es meldeten sich 654 Zeugen.

Voraussetzung für die Seligsprechung ist der Märtyrertod oder ein Wunder. Da der 34-jährige Kaiser 1922 an einer Lungenentzündung im Exil auf Madeira starb, kam der Märtyrertod nicht infrage. Es wurde ihm ein Wunder zuteil. Im Jahr 1960 soll er posthum eine Ordensschwester, die ihn anrief, von ihren Krampfadern befreit haben.

Während hochrangige Kirchenvertreter und eine Politikerdelegation unter der Führung von Nationalratspräsident Andreas Khol an der Spitze zur Feier nach Rom reisen wird, spricht der Politologe Pelinka von einer "am Rande des Lächerlichen angesiedelte Seligsprechung. Allein schon das Wunder: die Krampfadern einer brasilianischen Nonne. Wenn es wenigstens die Gesundung krebskranker Kinder in den Elendsquartieren Kalkuttas gewesen wäre." Die Seligsprechung gehe "offenbar auf eine kleine, aber starke Lobby im Vatikan zurück".

Pelinka: "Ich sehe das Ganze als einen eher atypischen Rückfall in eine Welt von gestern, in der Angehörige herrschender Häuser einen privilegierten Zugang zu den Päpsten hatten. Franz Jägerstätter, das wäre ein interessanter österreichischer Heiliger. Kaiser Karls Seligsprechung unterstreicht nur die Schwierigkeiten der Kirche, den Puls der Zeit richtig zu erfassen." (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.9.2004)

Von Peter Mayr und Walter Müller
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Kneisl Hias
28.09.2004 17:00
...posthum eine Schwester von ihren Krampfadern befreit.

ich glaub es nicht! aahhhhh...

wie lächerlich will sich den die katholische kirche den noch machen?

Chien de Pique 
28.09.2004 21:20
Diese Seligsprechung ist,

wie jedes gute katholische Ritual, natürlich -auch- eine nette Posse. Allerdings: Un ein bloß kosmetisches Phänomen ging es bei der Nonne in Brasilien nicht. Eher schon um ein "offenes Bein". Das sollte der Redlichkeit halber schon angemerkt werden, auch wenn es der Lächerlichkeit des Kasus etwas Abbruch tun sollte.

sicklikejosef
28.09.2004 16:34
Da ist dieser Satz:

"Allein die Aussagen der Gattin von Kaiser Karl, Zita, sollen sich auf rund 1000 Seiten belaufen."

Welch unvorstellbares Grauen mich da befällt, wenn ich an die arme Sau denke, die das vielleicht lesen muss, was die (selige?) Frau Zita da zu Protokoll gegeben hat.
Der unendliche Wortschwall, der über tausend Seiten die uninteressantesten Familien und Verwandtschaftsverhältnisse, die man sich überhaupt nur vorstellen kann, gemixt in einem Ton religiöser Entgeistigung verschärft durch das hohe Alter....phew!

Da ist es wirklich gut nicht dabei gewesen zu sein.

. Diogenes
27.09.2004 11:38
Nächster Schritt Heiligsprechung

Seit Jahr und Tag leide ich (und mit mir meine Umwelt) an gar fürchterlichen Blähungen. Könnten da nicht Majestät.... Ein kleines Wunder täte Not.
Seliger Karl, erhöre mein Flehen.

Gottfried Scheickl
27.09.2004 12:50
Falsches Beispiel

beweisen Sie einmal, dass jemand NICHT von der Geisel der Impotenz erleichtert wurde...................

Gabriele Wladyka   
27.09.2004 11:18
Und da will die Kirche noch ernst genommen werden?

Das ganze hört sich an wie ein Witz vom Deix.

Marilynn E. Infos zum Powerposten
27.09.2004 18:41
sogar meine erzkatholischen Verwandten

mokieren sich darüber, daß die Habsburger lang gebraucht haben, bis sie endlich jemanden gefunden haben, den sie als geheilt präsentieren können und dieses Wunder dem Karl "unterschieben". Und es wurde auch über den Preis diskutiert, den die Habsburger an den Vatikan dafür gezahlt haben müssen. ..

Helmut Huber
27.09.2004 12:10
Selten bin ich mit Ihnen einer Meinung.

Hier und heute aber 100 %!

4 le fanz
26.09.2004 19:24
otto von habsburg muss noch zu lebzeiten selig gesprochen werden

vielleicht der ein oder andere der gebetsliga, habsburger oder övp auch noch, denn das wunder, dass sie alle vollbracht haben, ist dass ein krampfadernheilender kaiser selig gesprochen wird

Applaus, Applaus.
26.09.2004 14:54
unser Karli ist TOP!!

aber auch die anderen Habsburger sind nicht zu verachten, gehts mal ins Museum, der Phänotypus der inzüchtigen Gf.... schaut natürlich immer gleich aus, egal aus welchem Jhdt., es ist nur verständlich, dass man wenigstens einen mit einer Seligsprechung irgendwie herausheben möchte.

Übrigens hab ich da eine Warze am Rücken; damit werd ich mal zu Otto gehen ;)

Helmut Huber
27.09.2004 12:13
Vor 2 Jahren sitz ich in Siena im "Ghibellino" hinterm Dom,

da hams ein paar Alt-Habsburgerbildeln (vor der lothringischen Verdünnung) an der Wand. DIESE Unterlippe!
Und zwei Tisch weiter sitzt einer, der hat dem am Bilde Dargestellten wie ausm Gesicht grissen ausgschaut. Mir war richtig unheimlich.

doc doc
27.09.2004 18:31

das habsburger-kinn ist ein offizieller medizinischer begriff .

col.moriol   
26.09.2004 13:25
kann irgendwer minimal html?

ein bisserl webspace wird sich auch noch auftreiben lassen:
ich beabsichtige eine T-mobile-BUNDESGEBETSLIGA ins leben zu rufen, mit dem erklärten ziel der heiligsprechung von hansi k..
dies beabsichtigt die t-mobile-bundesgebetsliga über folgendes wunder zu erreichen: österreich wird 2006 fussballweltmeister (und wenn das nicht gelingt muss er eben einen wadenkrampf sachgerecht behandeln, das dürfte im notfall auch noch genügen).
aber mein vertrauen in den heiligen hansi v. österreich und happelstadion ist bereits jetzt so gross, dass ich eigentlich nicht am wm-gewinn zweifle!
eintritte in die T-Mobile-Bundesgebetsliga bitte einfach unter antworten posten.
heiligmässiger gruss

sicklikejosef
28.09.2004 16:36
Klar, bin dabei!

john john
26.09.2004 10:57
Vorschlag !!

Sollt'ma den Schuessel nicht sofort selig sprechen.

Wieso soll"ma erst 50 Jahren warten!

Das Wunder ...??!!

Das er es geschaft hat in der kuerzesten Zeit (was sind schon paar Jahre) seiner Regentschaft, dem Land durch seine Privatisierungsverbrechen so zu schaden!

cheap thrills 
26.09.2004 21:32
sie werden lachen, von der gründung eines gebetskreises zur seligsprechung von kanzler schüssel

berichtete die raketa.at bereits im dezember 2002.

http://raketa.at/raketa.php?id=936

Lousy World
26.09.2004 10:22
verlogene Moral

ein weiteres zeugnis unserer verlogenen Führer

Eine Kreatur
26.09.2004 12:09
de leit ...

.. san oba wirklich net auch nur in irgendeiner weise "meine" "führer" ...
bei sowas brauchts immer zwei, die die "führen" und die die sich "führen lassen" ... wer weiss, vielleicht wär der österreicher aus braunau als verschrobener einzelgänger in einem münchner park gelandet, versoffen sich mit postkartenmalerei durch das leben schlagend ...

re- göf
26.09.2004 08:57
herrrreinspaziert, herrrreinspaziert ...



... schauen sie sich seine selige hoheit an ! meine damen und herren, aus dem reich der toten heraus erscheint ihnen eine gaswolke und heilt, oh welch wunder, die krampfadern einer nonne in brasilien. haleluja ! herrrreinspaziert, nur 50 cent ...

Helmut Huber
27.09.2004 12:14
Kunststück!

Als Nonne ists ja sowieso eine Dame ohne Unterleib.

Elisabeth Jarok
26.09.2004 07:59
und die italiener?

schließlich wurden unter kaiser karl 40.000 italiener mit giftgas - völkerrechtlich verboten, auch damals - grausam umgebracht.
was sagen die italiener jetzt eigentlich zu der seligsprechung?

Poldi Fesch
26.09.2004 10:50
nichts

Caporetto ist fuer die Italiener ein nat. Trauma weil die eigene fuehrung schwer versagt hat. die Gasgeschichte scheint nur eine Mode der Antihabsburgerfraktion zu sein.

Elisabeth Jarok
26.09.2004 07:26
tatsache ist

dass unter kaiser karl tausende junge männer wegen desertion vom heer hingerichtet wurden. die mord-rate an den jungen männern, die versuchten dem tod im schlachtfeld durch flucht zu entkommen, war extrem hoch. von schnellgerichten verurteilt, an die wand gestellt oder aufgehängt.
das wird auch gerne vergessen. an den händen von dem "seligen" klebt sehr viel blut.

Heinz Anderle
25.09.2004 23:51
40000 durch Giftgas ermordete italienische Soldaten,...

... ein Kriegsverbrechen gegen die Haager Landkriegsordnung von 1907, lassen auch bei mir die Krampfadern schwellen, und zwar jene eines biblischen Zornes auf der Stirn.

Vielleicht sollte man da doch mit weltlicher Artillerie (Marschflugkörper o. ä.) lieber den ganzen Vatikan kanonisieren!

"Zerstört das alte Gebäude des Betrugs, zerschmettert das Ungeheuer des Aberglaubens!" (Voltaire) und

"Man kann gar nicht soviel fressen, wie man kotzen möchte..."

Dr. Heinz Anderle, enragierter Freigeist

Helmut Huber
27.09.2004 12:16
Und das Anbohren von Bergen und Indieluftspregen derselben

mit Mann & Maus war anständiger? Der 1. WK war von allen involvierten Seiten eine außerordentlich schmutzige Angelegeheit - man hat ja gar nicht geglaubt damals, daß es noch schlimmer geht.

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