"Viel versprochen und nichts gehalten"

26. September 2004, 12:34
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SPD will bei Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen CDU-Stimmen zurückgewinnen

Düsseldorf/Berlin – "Düsseldorf soll Wien werden", ruft ein Pensionist jedem zu, der in den Düsseldorfer Barbarasaal kommt. Jeder bekommt ein Informationsblatt der Stadt Wien zu Kleingärten zugesteckt. "Das ist vorbildhaft, das wollen wir hier auch haben", sagt der passionierte Schrebergärtner. Gudrun Hock verspricht, sich die Regelung in Wien anzuschauen. Sie hört auch geduldig zu, wie die Laubenbesitzer klagen, dass sie ihre "Kinder lehren müssen, Pipi am Baum zu machen", weil sie keine Toiletten errichten dürften.

Zweieinhalb Stunden hat sich die SPD-Politikerin Zeit für die 73 Schrebergärtner genommen. Denn im Kommunalwahlkampf zählt für die SPD jede Stimme. 1999 hatte sie die Landeshauptstadt an die CDU verloren, so wie andere einst sozialdemokratisch dominierte Großstädte in Nordrhein-Westfalen wie Köln, Gelsenkirchen, Münster, Bielefeld und Hamm und Dortmund.

Die Kommunalwahl am Sonntag im bevölkerungsreichsten Bundesland mit knapp 14 Millionen Wahlberechtigten gilt als wichtige Testwahl – für die Landtagswahl im Mai 2005 und auch für Berlin.

Kann die SPD ihre Position in ihrem Stammland wieder verbessern, gibt das der Bundespartei und damit der Regierung Auftrieb. Muss die CDU, wie Umfragen voraussagen, Stimmenverluste hinnehmen, wird das die Debatte über den Kurs der Union und CDU-Chefin Angela Merkel verstärken.

Bei den Kommunalwahlen 1999 hatte die CDU 50,3 Prozent der Stimmen und damit ein historisches Hoch verbucht. Auf die SPD entfielen 33,9 Prozent. Laut Umfragen kann die SPD auf bis zu 36 Prozent kommen, die CDU geht auf 43 Prozent zurück.

Viele Schrebergärtner haben zuletzt CDU gewählt. "Weil wir dachten, das wird besser", wie einer offen ausspricht. Aber der bisherige Oberbürgermeister von Düsseldorf, Joachim Erwin, habe "nur viel versprochen und nichts gehalten". Deshalb gibt ein Pensionist Frau Hock mit auf den Weg: "Offenheit und Ehrlichkeit, nur das zahlt sich aus. Das sind die, die unsere Stimme bekommen." Unter Beifall verspricht die SPD- Kandidatin, sich auch des Toilettenproblems anzunehmen: "Ich werde mich darum kümmern. Dazu stehe ich."

Ihr CDU-Konkurrent sucht dagegen die Marktplätze auf, versucht dort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. "Viele haben einfach die Nase voll von dem, was in Berlin passiert. Für uns vor Ort ist das schon Rückenwind", meint Bürgermeister Erwin. (Alexandra Föderl-Schmid/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25./26.9.2004)

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