"Konkurrenz zu Windows ist gut"

6. Oktober 2004, 14:31
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Microsoft Vizepräsident Kevin Johnson gibt sich im Gespräch mit Helmut Spudich in Hinblick auf die wachsende Linux-Konkurrenz entspannt und angriffslustig

Standard: Fotos, Musik und Video sind heute für viele PC-Benutzer eine zentrale Anwendung. Was können wir von Microsoft in diesem Bereich erwarten?

Johnson: In wenigen Wochen wird die Windows Media Center Edition in Österreich auf den Markt kommen. Das ermöglicht neue Unterhaltungsszenarien, wie Konsumenten mit Musik, Video und TV da- heim umgehen können. Dazu kommen neue Technologien rund um das Portable Media Center, mit dem man nicht nur Musik, sondern auch Videos mitführen kann. Das öffnet neue Möglichkeiten nicht nur für Entertainment, sondern auch im Bildungsbereich. Ein weiterer Trend ist, dass immer mehr Haushalte drahtlose Netze haben, wofür neue Geräte nötig sind. Der Media Center Extender, der noch vor Weihnachten auf den Markt kommt, verbindet das Windows Media Center mit der Stereoanlage und dem TV-Gerät und man kann damit Media-Center-Inhalte kontrollieren.

Standard: Microsoft hat eine Betaversion seines Onlinemusikdienstes eröffnet. Wann können wir diesen Dienst in Österreich erwarten?

Johnson: Wir sind selbstverständlich ein weltweites Unternehmen und wollen daher diesen Dienst auch weltweit anbieten. Aber es gibt derzeit noch keinen Termin für den Start in Österreich.

Standard: Ihr Hauptkonkurrent im Musikmarkt ist derzeit Apple. Kommen Sie zu spät zur Party?

Johnson: Wir haben seit geraumer Zeit sehr viel in diesem Bereich investiert, den Windows Media Player gibt es sehr lange. Zweifelsohne sind der iPod und das Apple-Szenario sehr populär, aber sehr viele andere Unternehmen wie zum Beispiel Dell investieren gleichfalls in diesem Bereich. Unser Ansatz ist es, mit Partnern zu arbeiten, was wir besser als Apples proprietären Ansatz halten. Ich würde nicht sagen, dass der Wettbewerb hier härter oder leichter als in anderen Bereichen ist. Wir konkurrieren am Markt mit vielen Firmen, das ist gesund und bringt Konsumenten Mehrwert.

Standard: Es ist schon eine Weile her, dass Bill Gates in einem Brief an alle Mitarbeiter Sicherheit zur Priorität erklärt hat. Was ist seither geschehen?

Johnson: Vor drei Jahren hat Bill Gates die Trustworthy Computing Initiative gestartet. Seither haben wir Entwickler trainiert, damit sie sicherere Software bauen, wir haben Werkzeuge entwickelt, um Schwächen zu identifizieren, und alle unsere Releases gehen durch eine sorgfältige Checkliste vor der Freigabe. Wenn man 2003 mit 2000 vergleicht, dann haben wir Fortschritte bei der Beseitigung kritischer Schwächen gemacht. Wir haben jetzt automatische monatliche Updates und den Updatevorgang dramatisch verbessert. Und wir bemühen uns um Unterstützung und Training: In den vergangenen zwölf Monaten haben wir 500.000 Professionals zu Sicherheit geschult.

Das Windows XP Service Pack 2 bringt eine bessere Abschirmung von PCs in Hinblick auf Sicherheit - durch automatisch eingeschaltete Firewall, Updates und Antivirensoftware. Aber Sicherheit ist eine Reise, es wird nie erledigt und repariert sein. Es gibt keine perfekte Welt und man muss der Realität ins Auge blicken: Dass es Menschen gibt, die böswillige Akte begehen.

Standard: Internetsuche ist seit langem ein Ziel von Microsoft, aber trotz ihrer Milliarden für Forschung haben Start-ups wie Google Sie überholt. Jetzt bietet sogar eine Tochterfirma von Amazon, A9, Internetsuche an.

Johnson: Search ist bei unserer Forschung und Entwicklung eine Toppriorität, wir haben viel Talent dafür angeheuert. Wir sind sehr optimistisch, dass wir einen großen Durchbruch am Markt schaffen können - aber Sie haben Recht, wir waren spät daran, uns darauf zu konzentrieren.

Standard: Wann können wir diesen Durchbruch erwarten?

Johnson: MSN wird weiterhin Verbesserungen bei seinen Suchmöglichkeiten herausbringen. Aber wir wollen über Internetsuche hinaus auch Suche am PC und in Unternehmensnetzen ermöglichen. Wir erwarten, dass wir damit bei Longhorn (der nächsten Windows-Version, Anm.) beginnen. Suchfunktionen werden Teil von Longhorn sein. Das neue Dateisystem WinFS wird das noch verbessern. Aber es wird auch Suche vor WinFS geben.

Standard: Linux erfreut sich zunehmender Popularität vor allem bei öffentlichen Auftraggebern wie die Stadt München oder Wien. Wie sehen Sie die Konkurrenz?

Johnson: Die Debatte war anfangs sehr emotional und hat sich inzwischen auf eine Diskussion von Features und den viel logischeren Aspekt des Werts der Systeme für Unternehmen verlagert. Wenn man Linux ansieht und alle Fakten berücksichtigt, sieht man, dass Windows niedrigere Gesamtkosten bietet. Sogar die Stadt München sagt, dass der Umstieg auf Linux insgesamt vier bis fünf Millionen Dollar mehr kosten wird. Wir bemerken, dass Kunden sich immer mehr die Komplexität aller Faktoren ansehen. Tatsache ist, dass der Windows-Serverbereich gewachsen ist, ebenso wie Linux - dafür ist Unix am absteigenden Ast. Wir wissen auch, dass wir unseren Kunden weiterhin Innovation und Wert schulden und ihre Probleme verstehen müssen, um ihnen gute Lösungen anzubieten. Darum ist die Konkurrenz gut und gesund.

Standard: Werden Sie mit wachsender Linux-Basis selbst Applikationen für Linux auf den Markt bringen?

Johnson: Wir wollen unsere Energie lieber darauf konzentrieren, unseren Kunden beim Umstieg von Linux auf Windows zu helfen. Das macht ihre Systeme einfacher und senkt ihre Gesamtkosten und hilft ihnen dabei, agiler zu sein und rascher Lösungen zu entwickeln. (DER STANDARD Printausgabe, 25./26..09.2004)

  • Kevin Johnson ist Microsoft-Vizepräsident für den
weltweiten Verkauf und Marketing, einen von sieben
Konzernbereichen. Er gilt unternehmensintern als
Nummer drei nach Bill Gates und Steve Ballmer.

    Kevin Johnson ist Microsoft-Vizepräsident für den weltweiten Verkauf und Marketing, einen von sieben Konzernbereichen. Er gilt unternehmensintern als Nummer drei nach Bill Gates und Steve Ballmer.

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