Namibia: Landarbeiter drohen mit Farmbesetzungen

29. September 2004, 16:42
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Protest gegen schleppende Umsetzung der Landreform

Windhuk - Arbeiter einer von einem Weißen betriebenen Farm in Namibia haben mit der Einnahme des Besitzes gedroht, um gegen die schleppende Umsetzung der Landreform zu protestieren. Die Arbeiter hätten beschlossen, die Farm in Okosongomingo am 16. Oktober zu besetzen, sagte der Chef der Gewerkschaft der Landarbeiter (NAFWU), Alfred Angula, am Freitag. Dies hätten sie bei einer Versammlung am Vortag in Otjiwarongo, 250 Kilometer nördlich der Hauptstadt Windhuk, beschlossen.

Es sei die alleinige Entscheidung der Arbeiter gewesen, nicht die der Gewerkschaft, betonte Angula. Nach Angaben der Tageszeitung "The Namibian" waren sich die Arbeiter einig, dass der Besitzer der Farm, Harry Schneider-Waterberg, seine Angestellten schlecht behandle und ausbeute. Dem Blatt zufolge wollen die Arbeiter auch andere Bauernhöfe einnehmen.

Die 3800 weißen Farmer in der ehemaligen deutschen Kolonie besitzen den Großteil des fruchtbaren Ackerlandes Namibias. Seit 1991 will die Regierung das Land nach dem Grundsatz "Willige Käufer und willige Verkäufer" umverteilen. Doch das 1995 als Gesetz verabschiedete Vorhaben hat seine erhoffte Wirkung noch nicht erzielt: Nur etwa 130 Farmen gelangten auf diese Weise in Hände von Schwarzen. Vielfach waren es aber nicht die Armen, die davon profitierten, sondern Funktionäre der Regierungspartei SWAPO. Enteignungen sind nur in Ausnahmefällen und gegen Entschädigung vorgesehen. Größter Geldgeber für die Landreform ist Deutschland.

Die Frage der gerechten Verteilung von Land ist im Hinblick auf die Parlamentswahl im November von großer Bedeutung. Landminister Hifikepunye Pohamba, der auf einen Wahlsieg gegen Präsident Sam Nujoma hofft, hatte im Mai und Juni Briefe an 15 weiße Farmer verschickt, in denen er sie aufforderte, der Regierung ein Verkaufsangebot zu unterbreiten. (APA)

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