Politikverdrossenheit unter Österreichern steigt - Nur zehn Prozent sind gedanklich der Politik "sehr nahe" - Mit Infografik und Kommentar
Linz - Unter den ÖsterreicherInnen macht sich
Politikverdrossenheit breit. Nur zehn Prozent der Bevölkerung haben
nach eigener Auskunft ein "sehr starkes" Interesse am aktuellen
innenpolitischen Geschehen. Das geht aus einer Umfrage des Linzer
Meinungsforschungsinstitutes IMAS hervor, deren Ergebnisse am Freitag
veröffentlicht wurden.
IMAS führte im August und September persönliche Interviews mit
1.303 repräsentativ für die Gesamtbevölkerung ausgewählten Personen
durch. Dabei gab nur jede/r Zehnte an, dass er/sie seine sehr starke
Neugier am aktuellen politischen Geschehen hat, weitere 28 Prozent
bezeichneten ihr Interesse als "ziemlich stark". Dem steht eine 62
Prozent starke Mehrheit von Personen gegenüber, die ein bestenfalls
geringes Interesse an der Politik besitzen. Darunter befinden sich 22
Prozent, sie sich mit aktuellen Problemen gar nicht auseinander
setzen.
Charakteristische Unterschiede
Die gedankliche Beschäftigung mit der Innenpolitik weist bei
näherer Betrachtung laut IMAS charakteristische Unterschiede auf:
Eine besonders wache Neugier haben demnach Führungskräfte, Maturanten
und Akademiker, Personen ab dem 50. Lebensjahr, Bewohner der
Bundeshauptstadt Wien und Männer. Je höher jemand im sozialen Gefüge
angesiedelt sei, je gebildeter und älter, umso größer sei die
Wahrscheinlichkeit einer gedanklichen Nähe zur Politik, so das
Institut. Innerhalb der Parteianhängerschaften sind es vor allem
Sympathisanten von Grünen und Freiheitlichen, die sich in
überdurchschnittlicher Zahl der politischen Diskussion zuwenden. Am
wenigsten tun es politisch Unentschiedene und Undeklarierte.
Die Aufmerksamkeit der Bevölkerung für politische Vorgänge bleibt
keineswegs konstant. Das mit Abstand stärkste Interesse registrierte
IMAS zu Beginn des Jahres 2000. Damals kam es zu einem Wechsel von
der rot-schwarzen zu einer schwarz-blauen Koalition, der schließlich
zu den EU-Sanktionen gegen Österreich führte. Im Jänner und Februar
2000 beschäftigten sich 56 Prozent der Erwachsenen sehr bzw. ziemlich
stark mit dem innenpolitischen Geschehen. Im April begann die
"politische Erregung" abzuklingen, bis Jahresende sank sie auf 35
Prozent.
Krisensymptome
Die mit wirtschaftlichen Krisensymptomen behafteten vergangenen
beiden Jahre haben - verbunden mit dramatischen Begleitumständen in
der Welt und einem turbulenten Geschehen in Österreich selbst -
wieder eine etwas erhöhte Aufmerksamkeit bewirkt. (APA)