"Temelín als Kurort"

29. September 2004, 09:04
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Mit dem geplanten Atommüll- Zwischenlagers sieht die oberösterreichische Landesregierung eine neue Chance im Protest gegen das AKW

In einer grenzüberschreitenden Umweltprüfung eines geplanten Atommüll- Zwischenlagers sieht die oberösterreichische Landesregierung eine neue Chance im Protest gegen Temelín.

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Linz - Das Land Oberösterreich nimmt jetzt einen neuen Protestanlauf gegen das tschechische Atomkraftwerk Temelín. Der Protest richtet sich diesmal aber nicht direkt gegen den Atommeiler nahe der oberösterreichischen Grenze, sondern gegen ein geplantes Zwischenlager für abgebrannte, radioaktive Brennelemente. Diese sollen in Zukunft in unmittelbarer Nähe des AKW gelagert werden. Eine - erstmals grenzübergreifende - Umweltverträglichkeitsprüfung ist derzeit im Laufen.

Unterschriftenaktion

Parallel dazu fiel am Donnerstag im Linzer Landhaus der Startschuss für eine Kampagne aller vier Landtagsparteien gegen das geplante atomare Zwischenlager. "Wir möchten die Protestaktion möglichst breit anlegen. Unser Appell richtet sich daher sowohl an Einzelpersonen, als auch an Gemeinden, Institutionen, Betriebe und Schulen zu einer Beteiligung an einer Unterschriftenaktion", betonte Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem grünen Umweltlandesrat Rudi Anschober, SPÖ-Klubobmann Karl Frais, FPÖ-Klubobmann Günther Steinkellner und dem Temelín-Beauftragten des Landes, Radko Pavlovec sowie zahlreichen Vertretern der Antiatomorganisationen. Die Argumente gegen das Lager würden vor allem auf der "äußerst dürftigen UVP-Dokumentation von Temelín-Betreiber CEZ" beruhen, erläuterte Pavlovec.

verdacht eines Endlagers

Die Betriebsdauer des geplanten Zwischenlagers sei fraglich und es bestehe der dringende Verdacht, dass es zu einem Endlager umfunktioniert werde, kritisieren die Vertreter der Landesparteien. Auch sei in dem UVP-Bericht der genaue Typ der Lagerungsbehälter nicht näher angeführt.

"Temelín als Kurort"

"Darüber hinaus ist die UVP-Prüfung viel zu früh angesetzt. Jeder weiß, dass Temelín sicher kein technischer Meilenstein ist und seit Monaten aufgrund der ständigen Störfälle im Probebetrieb läuft. Daher ist jetzt eine UVP nicht nachvollziehbar", kritisiert Pühringer. Auch wenn die Chancen, das Prüfverfahren zum Kippen zu bringen, von rechtlicher Seite "eher gering" seien, müsse man diese als "Plattform gegen Temelín nutzen", so Anschober. In den UVP-Unterlagen sei - so Pavlovec - im Übrigen auch eine Textpassage zu finden, die darauf hinweist, dass eine "isotonische Strahlung das Gemüt der Bevölkerung steigern wird". Eigentlich könne man dann Temelín gleich "zum einem Kurort" umfunktionieren, meinte dazu Umweltlandesrat Anschober. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD Printausgabe 24.9.2004)

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