Softguns für Kunden ab 14

29. September 2004, 09:33
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Jedes zweite Geschäft in Wien bewaffnet Minderjährige - Die Händler wehren sich: "Das ist Spielzeug"

Wiens Kinder- und Jugendanwaltschaft beklagt, dass Waffenhändler "Softguns" an Minderjährige verkaufen. Die Händler wehren sich: "Das ist Spielzeug".

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Wien - Seine Überraschung, gibt Anton Schmid zu, habe sich in Grenzen gehalten: "Wenn es ums Geschäft geht, interessiert Unternehmen der Jugendschutz kein bisschen", erklärt Wiens Kinder- und Jugendanwalt. "Da sind Waffenhändler so wie Wirte."

Testkauf

Und dafür legte der Kinderlobbyist am Donnerstag auch Belege vor: Ähnlich den bekannten Alkoholtestkauftouren durch Minderjährige hat die Kinder- und Jugendanwaltschaft 15-Jährige in Wiener Waffengeschäfte geschickt, um sich mit "Softguns" (richtigen Waffen täuschend echt nachgebaute Imitate, die Plastikkugeln verschießen, Anm.) einzudecken.

Jedes zweite Geschäft bewaffnet Minderjährige

Jedes zweite der 16 erfassten Wiener Waffengeschäfte habe die Minderjährigen "bewaffnet". Nach Ansicht der Jugendanwaltschaft ein klarer Bruch des Wiener Jugendschutzgesetzes - steht darin doch expressis verbis, dass "Gegenstände, die Jugendliche in ihrer Entwicklung gefährden können, wenn diese Gegenstände Aggressionen, Gewalt und Gewaltdarstellungen fördern", nur über 18-Jährigen verkauft werden dürfen.

Waffen für Kunden ab 14

Dass mancher Händler darauf hinweise, die Waffen an Kunden ab 14 zu verhökern, ist für Schmid "eindeutig illegal". Denn auch wer das Jugendschutzgesetz nicht kenne (was von der Einhaltung natürlich nicht entbindet), müsse als Softgunhändler wissen, dass seit 1997 eine Bundesverordnung den Verkauf von "schusswaffenähnlichen Produkten" an Minderjährige verbietet.

"Kein Genierer"

Es sei, erklärt Schmid, vor allem die "psychologische Gewöhnung" an Waffen, die Softguns gefährlich mache: "Alle beklagen die Verrohung und die steigende Gewaltbereitschaft von Jugendlichen - aber wenn es ums Geschäft geht, gibt es keinen Genierer."

Schmids Forderung: Der Verkauf an Jugendliche müsse aufhören, Waffengeschäfte kontrolliert und gegebenenfalls auch bestraft werden. Auch die Drohung, dass die Missachtung von Jugendschutzbestimmungen auch zum Entzug der Gewerbeberechtigung führen könne, dürfe, so Schmid, "keine hohle Phrase" sein.

Harmloses Spielzeug

Ganz anders sieht man das naturgemäß auf Verkäuferseite: Softguns, so Jürgen Siegert, der Vorsitzende der österreichischen Waffenfachhändler, würden auch amtlich als "Spielzeug" eingestuft und dürften daher frei verkauft werden: "Wenn man die im Jugendschutzgesetz beschriebene Gefährdung auf Softguns anwendet, müsste man viel früher anfangen - da fiele eine Vielzahl von Computerspielen darunter." Für Siegert "schießt man da aber weit über das Ziel hinaus. Denn Softguns sind harmlos." (Thomas Rottenberg, DER STANDARD Printausgabe 24.9.2004)

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    "Softguns" sind richtigen Waffen täuschend echt nachgebaute Imitate, die Plastikkugeln verschießen

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