Tagebücher des Granatenopfers entdeckt

29. September 2004, 22:43
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Ungewöhnliches Testament zu Gunsten des Chefs der Schuldnerberatung sei nach der Scheidung der Angestellten zustande gekommen

Wien - Im Fall der Handgranatenexplosion von Montag auf der Wiener Höhenstraße, bei der die 39-jährige Petra M. aus Purkersdorf (NÖ) ums Leben gekommen ist, gibt es möglicherweise eine heiße Spur: Bei mehreren Hausdurchsuchungen haben die Kriminalisten zahlreiche Tagbücher des Opfers sichergestellt, die Auskunft über das Verhältnis der Frau zu dem Mann geben, der unter Mordverdacht steht. Ob aus den Aufzeichnungen hervorgeht, dass sich die Frau von Werner N. (38) bedroht gefühlt habe, könne erst nach genauer Sichtung des Materials gesagt werden, hieß es.

Weiteres mysteriöses Testament aufgetaucht

Am Freitag, wird über eine etwaige Verhängung der U-Haft gegen den Verdächtigen entschieden werden, teilte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Otto Schneider, am Donnerstag mit. Die Anklagebehörde überprüft nicht nur die Explosion, sondern auch einen weiteren mysteriösen Todesfall, in den der Mann verwickelt sein könnte. 1997 war eine Pensionistin verstorben, die den Unternehmer aus Niederösterreich als Erben eingesetzt hatte. Auch Petra M. hatte testamentarisch verfügt, dass ihre hohe Lebensversicherung von 300.000 Euro im Ablebensfall an N. ausbezahlt werden soll.

Angestellt bei der Schuldnerberatung

Rechtsanwalt Herbert Eichenseder, der den Verdächtigen vertritt, sagte, sein Mandant bestreite entschieden jegliche Mordabsichten. Bei der Explosion habe es sich um einen Unfall gehandelt. Das Testament sei nach der Scheidung von Petra M. zustande gekommen, damals habe sie die Lebensversicherung auf Werner N., der ein guter Freund war, umschreiben lassen. Zuletzt war die Frau auch bei N., der eine Schuldenberatung betrieb, angestellt.

Medien statt Polizei eingeschaltet

Über diese Beratungskontakte will N. auch davon erfahren haben, dass ehemalige Balkankämpfer ihre vor Jahren ins Land geschmuggelten Kriegswaffen loswerden wollte, ohne strafrechtlich belangt zu werden. Er, N., habe Hilfe zugesagt. In einer anderen Version erzählte N., dass er die Waffen vor Jahren selbst nach Österreich gebracht habe. Warum er sich aber zum Zweck der Rückgabe an mehrere Medien wandte (und schließlich bei News Gehör fand) und nicht einfach nur als Vermittler bei der Polizei auftrat, ist noch Gegenstand von Ermittlungen. Möglicherweise wollte der 38-Jährige eine Gegenleistung für eine "gute Story" herausschlagen. (simo, DER STANDARD Printausgabe 24.9.2004)

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