Eine Grüne, die gerne mehr präsent wäre

11. Oktober 2004, 11:02
2 Postings

Sabine Mandak engagiert sich seit Jahren für die Partei und versucht in den Bereichen Jugend und Familie zu punkten

Die Arbeit als Nationalratsabgeordnete hat sich Sabine Mandak ein bisschen anders vorgestellt. Früher habe sie fast alles alleine gemacht, heute gebe es einen Pool an MitarbeiterInnen. Früher konnte sie zu jedem politischen Thema Stellung nehmen, heute nur in ihren Bereichen - also Familie und Jugend. "Natürlich juckt mich das noch immer", bekennt sie - und hält sich trotzdem an die Usancen.

Früher, das war die Zeit vor dem Jahr 2002, als sie in den Nationalrat wechselte. Die Zeit, als sie sich noch auf Gemeinde- und Landesebene in Vorarlberg für die Grünen engagiert hat. Grün-Wählerin sei sie immer schon gewesen. Ein Freund habe sie 1989 überredet, Gemeindepolitik zu machen: "Versuch's halt, hat er gesagt. Kaum hab ich damit begonnen, hat's mich total gepackt." 1995 war Mandak Spitzenkandidatin bei den Gemeinderatswahlen und wurde Stadträtin in Feldkirch, ihrer Wahlheimat. Aufgewachsen ist Mandak in Wiener Neustadt, zur Welt kam sie in Wien: "Es war, wie das oft bei Frauen so typisch ist: Mein Mann hat in Vorarlberg einen guten Job bekommen." Sieben Jahre arbeitet die Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Töchtern neben der Politik in der Erwachsenenbildung beim katholischen Bildungswerk. "Ich bin eine Christin, die auch in Zeiten wie diesen nicht aufgibt", sagt die Geschiedene, die auch als Pfarrgemeinderätin Impulse setzen wollte.

1999 folgt der Wechsel in den Vorarlberger Landtag. "Wir waren zu zweit, hatten keinen Klubstatus, wie es nun der Fall ist", erinnert sie sich. Kein Klubstatus hieß: wenig Geld, wenig MitarbeiterInnen. "Nur damit man nicht alleine im Landtag sitzt, hat man sich noch mit Fieber hingeschleppt." Noch heute lobt sie das politischen Klima im Land, und dass die ÖVP "klug genug ist, Initiativen von engagierten Menschen im Land aufzugreifen".

Im Bund ist Mandaks Urteil über die Volkspartei weitaus weniger gut ausgefallen. Sie gehörte zu den entschiedenen Gegnerinnen der schwarz-grünen Regierungsverhandlungen Anfang 2003. Heute sieht sie das entspannter: "Wir haben sehr viel gelernt. Wichtig ist auch, dass wir uns von der SPÖ völlig losgelöst haben." Im Parlament vermisst sie die gemeinsame Arbeit. Gerade bei großen gesellschaftspolitischen Fragen wie der Pensionsreform wäre es wichtig, dass alle Parteien zusammenarbeiten. Ein Punkt, den sie auch in ihren Themenbereichen vermisst. Entsprechend bescheiden gibt sie sich: "Inhaltlich etwas voranzutreiben, ist sehr, sehr schwierig." Ihr Ziel: Mehr Öffentlichkeit für die Probleme von Jugendlichen und in den Familien schaffen.

Bei aller Freude über die Arbeit bleibt ein Punkt, an den sich die 48-Jährige nur schwer gewöhnt hat: das Pendeln. "Das habe ich sehr unterschätzt. Pendeln heißt zwei Nächte pro Woche im Zug." Für 2003 hat sie die gefahrenen Bahnkilometer errechnet: rund 53.000. (DER STANDARD, Printausgabe 24.09.2004)

Von Peter Mayr
  • Sabine Mandak ist pädagogische Mitarbeiterin und 48 Jahre alt.
    foto: standard/matthias cremer
    Sabine Mandak ist pädagogische Mitarbeiterin und 48 Jahre alt.
Share if you care.