Notenbanken dürften Goldpreis nicht drücken

4. Oktober 2004, 12:48
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Goldverkäufe der europäischen Notenbanken werden den Goldpreis nicht bestimmen, glauben Goldexperten und sehen knappes Angebot bei steigender Nachfrage als preisbestimmend

Wien - Am 27. September soll das neue Goldabkommen zwischen 15 europäischen Notenbanken in Kraft treten. Der Goldhandel wartet nun auf Zeichen der Notenbanken über Einzelheiten zum angekündigten Verkaufsprogramm für die nächsten fünf Jahre.

Es ist nicht einmal sicher, ob die Notenbanken in den nächsten fünf Jahren die angepeilte Menge von 500 Tonnen Gold jährlich auf den Markt bringen werden. Die Zentralbanken haben sich bei der Unterzeichnung am 8. März 2004 nur die Möglichkeit einräumen lassen, Gold abzustoßen.

Neben der Europäischen Zentralbank (EZB) unterzeichneten alle zwölf nationalen Notenbanken des Eurosystems sowie die Zentralbanken der Schweiz und Schwedens. Neuer Unterzeichner ist Griechenland, während Großbritannien sich dem neuen Abkommen nicht mehr anschloss. Das Londoner Finanzministerium erklärte, das Land habe nicht vor, sich von Goldreserven zu trennen.

Riesige Goldreserven

Für Österreich hat Nationalbank-Gouverneur Klaus Liebscher das neue Abkommen unterschrieben. Österreich würde wieder überlegen, Teile seiner Goldreserven von 317 Tonnen zu verkaufen.

Die europäischen Zentralbanken halten insgesamt 45 Prozent der weltweiten offiziellen Goldreserven. Allein in den Tresoren der Deutschen Bundesbank liegen mehr als 3.400 Tonnen - das sind hinter den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt.

Goldexperten rechnen nicht mit einem Einfluss auf den Goldpreis. "Die Notenbanken spielen dabei eine nur sehr bedingte Rolle", sagt etwa Alfred Grusch, Goldfondsmanager der Capitalinvest. Auch er sieht den Goldpreis "fundamental gut gestützt": Die Nachfrage steige ständig, das Angebot verknappe sich.

Grusch: "Die Triebfedern für den Goldpreis sind andere als die Notenbankenverkäufe". Er nennt die tiefen Realzinsen, die weitere Liberalisierung für Goldbesitz in China und vor allem das knappere Angebot als "preisbestimmend". Auf Prognosen lässt er sich nicht ein, rechnet aber "mit einem dritten Anlauf des Goldes auf 430 Dollar je Unze". Der 20-jährige Abwärtstrend sei jedoch eindeutig gebrochen. (kbau, Der Standard, Printausgabe, 24.09.2004)

  • Die europäischen Zentralbanken halten insgesamt 45 Prozent der weltweiten offiziellen Goldreserven. Allein in den Tresoren der Deutschen Bundesbank liegen mehr als 3.400 Tonnen - das sind hinter den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt.
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    Die europäischen Zentralbanken halten insgesamt 45 Prozent der weltweiten offiziellen Goldreserven. Allein in den Tresoren der Deutschen Bundesbank liegen mehr als 3.400 Tonnen - das sind hinter den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt.

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